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Ich bin dabei - weil da Menschen waren ...
Ausgabe Nr. 4, August / September 07 - Prediger Werner Hübner, LKG Helmbrechts

Warum bin ich in der LKG dabei? Warum bin ich bei Jesus dabei? Warum bin ich noch dabei? Zum einen, weil mich Jesus gerufen und in mir Glauben geweckt und mich bis heute fest gehalten hat. Zum andern, weil da Menschen waren, die mir Helfer waren auf dem Weg zum Glauben, die mich angeleitet, begleitet und gefördert haben. Und weil da Brüder und Schwestern waren, die mir Vorbild waren, die mich prägten, mich ermahnten, von denen ich lernte. Die mich im Glauben ermutigten und die mir halfen, meine Gaben zu entdecken und zu entfalten. Auch in der Bibel spielen geistliche Vorbilder, Väter und Mütter des Glaubens, eine große Rolle.
Einige Beispiele aus der Bibel

Mose begleitete Josua 40 Jahre lang während der Zeit der Wüstenwanderung. In 5. Mose 1,38 sagt Gott zu Mose: „Dem Josua stärke den Mut!“ Josua sollte als späterer Führer des Volkes Israel durch Mose im Gottvertrauen gestärkt werden, mutige Schritte des Glaubens zu wagen. Auch wir brauchen immer wieder die Ermutigung auf dem Weg des Glaubens. Josua konnte es bei Mose sehr konkret sehen, was Glaube und Gottvertrauen bedeutet und wie man eine lebendige Gottesbeziehung gestaltet und lebt.

Elia wurde - als Einzelkämpfer - von Gott mit Elisa zusammengeführt. Unser HERR will keine Einzelkämpfer Er will, dass wir in geistlicher Bruderschaft miteinander leben. An wem habe ich eine besondere Aufgabe? Beachtlich ist das Vertrauensverhältnis von Elia und Elisa.Elisa nennt Elia in 2. Könige 2,12 einen Vater. Wen würden Sie als Ihren geistlichen Vater, bzw. geistliche Mutter bezeichnen? Jesus war für seine Jünger das Urbild eines Mentors und geistlichen Begleiters. Er lebte mit ihnen, lehrte sie, und sie lernten von ihm. An Jesu Verhalten konnten die Jünger sehen, was es heißt, zu glauben, Gott zu vertrauen, zu gehorchen, mit Gott zu reden, die Menschen zu lieben und den Feinden zu vergeben.

Jesus war für seine Jünger das Urbild eines Mentors und geistlichen Begleiters. Er lebte mit ihnen, lehrte sie, und sie lernten von ihm. An Jesu Verhalten konnten die Jünger sehen, was es heißt, zu glauben, Gott zu vertrauen, zu gehorchen, mit Gott zu reden, die Menschen zu lieben und den Feinden zu vergeben. Jesus hat seine Jünger geprägt, begleitet, ausprobieren lassen, sie ausgesandt, ihre Erfahrungen mit ihnen besprochen, sie auf das Wesentliche aufmerksam gemacht, sie liebevoll korrigiert und zurechtgewiesen.

Paulus war Vorbild. In Philipper. 3,17 schreibt Paulus: „Folgt meinem Vorbild!“ Das heißt: Lernt von mir! Lebt und verhaltet euch so wie ich! - Wir fragen: Ist denn nicht Christus unser Vorbild? Wir sollen doch Jesus nachfolgen und nicht Menschen? Ja! Richtig! Aber wie mache ich das im Alltag? Wir brauchen neben Jesus für die großen Wahrheiten des Glaubens die kleinen, praktischen Münzen gelebten Glaubens an Jesus im Alltag. Jeder von uns braucht Menschen als Vorbilder; die uns prägen, uns begleiten, zur Seite stehen, ermutigen, ermahnen und korrigieren.

Geistliche Vorbilder, Ermutiger und Begleiter in meinem Leben

Ich denke dabei zunächst an meine Eltern. Sie haben mir und meinen zwei Geschwistern Christsein und Gottvertrauen ganz praktisch vorgelebt. Besonders mein Vater war mir ein großes geistliches Vorbild. Schon als Kind wuchs in mir der Wunsch, ich möchte auch so glauben und so mit Jesus leben wie mein Vater.

Dann waren es die Jungscharleiter, die Prediger und Laienbrüder in der Landeskirchlichen Gemeinschaft, die mich zu Jesus hinführten und mir Weggefährten, Freunde, Anleiter und Begleiter auf dem Weg zu und mit Jesus waren. Ich denke z.B. an Schwester Anni, die mich als 15jährigen fragte: „Na, Werner, wie sieht es denn in deinem Herzen aus und in deiner Beziehung zu Jesus?“ Diese Frage hat mich nicht so schnell wieder losgelassen.

Ich denke an verschiedene Lehrer meiner theologischen Ausbildung auf St. Chrischona, die mich, meine Persönlichkeit, mein Denken, meinen Glauben und meine Jesusbeziehung wesentlich mit prägten. Ich denke an den pensionierten Prediger an meiner ersten Dienststelle, der mir als ein echt väterlicher Freund und Bruder auf den ersten Dienstschritten zur Seite stand. Er hat mir großes Vertrauen geschenkt und mich in seiner feinen Art angeleitet und mich beratend und betend begleitet.

Ich könnte eine lange Liste von Menschen aufzählen, die mir Vorbild waren und durch die ich geprägt und gesegnet wurde.

Allerdings gilt es auch zu bedenken, dass von unserem Leben leider nicht immer nur positive Signale und Wirkungen auf andere ausgehen. Auch Lauheit und Trägheit im geistlichen Leben, kann auf andere „abfärben“. Die Frage ist also: Wie werde ich ein positives Vorbild für andere? - Beim Nachdenken wurde ich an eine Liedstrophe erinnert, in der es heißt: „Jesus schafft Persönlichkeiten, die das Salz der Erde sind.“ Gib Jesus, seinem Wort und seinem Geist in deinem Leben Raum, damit er dein Leben gestalten, prägen und segnen kann.

Welche Eigenschaften hatten Menschen, die mein Leben prägten?

Im Folgendem einige Stichworte dazu.

Echt sein. Geistliche Reife bedeutet nicht fehlerlos zu sein, sondern im Gegenteil zu meinen Fehlern zu stehen und um Vergebung bitten zu können. Was ermutigt uns am meisten zu unseren Fehlern zu stehen? Es ist das bei anderen erlebte ehrliche Eingeständnis ihrer Fehler, ihrer Schuld und Schwachheiten. Ich fasse am leichtesten zu dem Vertrauen, der mir seine Narben zeigt. Echt sein heißt, ehrlich sein vor sich selbst, vor Gott und vor Menschen. Ich brauche bei Jesus nicht der große Macher zu sein, der alles im Griff hat. Nein, ich lebe täglich von der Gnade und Vergebung Gottes und der Vergebung anderer. Bei Jesus darf ich ganz ehrlich sein, das befreit von Krampf und aller Heuchelei.

Ein weites Herz haben voller Liebe und Barmherzigkeit. Ein besonders schönes Beispiel dafür finden wir in dem Gleichnis Jesu „vom unvergleichlichen Vater“ in Lukas 15. Der Vater spielt seine Macht nicht aus, sondern er handelt von der Liebe getrieben. Leider gibt es in unseren christlichen Kreisen viel zu viele Machtkämpfe, Daran krankt manches. Wir mögen an manchen Stellen tausendmal Recht haben, aber die Frage ist: Was dient dem andern? Was dient unserer Gemeinschaft? Deshalb gilt es, mit einem Herzen voller Liebe und Barmherzigkeit Menschen zu lieben und sie annehmen wie sie sind Andere merken sehr schnell meine innere Haltung zu ihnen. Es ist ein großer Unterschied, ob ich denke, sage und lebe: „Schön, dass du da bist! Du bist uns herzlich Willkommen!“ Oder ob ich im Stillen denke: „Ach der schon wieder! Wenn ich den nur sehe!“ Lass dir von Jesus die Liebe schenken auch zu den Menschen, mit denen du dich schwer tust.

Zuhören können und Zeit haben. Wir sind oft viel zu schnell mit unseren Antworten. Weil wir oft nicht richtig zuhören, geben wir Antworten auf Fragen, die nicht gestellt wurden. Ein guter Begleiter wird erst einmal lange und geduldig zuhören und na c h f r a ge n und den andern zu verstehen suchen. Die Gaben des andern sehen und fördern. Wenn Jesus einem Menschen begegnete, dann hat er in diesem Menschen immer schon das mit gesehen, was er aus diesem Menschen durch seine Gnade machen wollte. Vergleiche z.B. Johannes 1,12: Menschen zu Gotteskindern; Lukas 5,8-10: Petrus zum Menschenfischer; Apg.9,15: Paulus zum missionarischen Werkzeug. Dass ich Prediger geworden bin, hing nicht unwesentlich damit zusammen, dass andere bestimmte Gaben in mir gesehen haben. Wir sollten uns über die Erfolge eines andern freuen können. Was uns manchmal hindert, andere zu fördern, ist die Befürchtung, der andere könnte eines Tages besser werden als ich. Doch das gehört zur Reife eines Menschen, sich über die „Erfolge“ eines andern freuen.

Abgeben und loslassen können - Vertrauen schenken. Das können wir am besten bei Jesus lernen. Er hat an Himmelfahrt sein Werk in die Hände seiner Jünger gelegt. Er schenkt ihnen sein Vertrauen. Zugleich steht Jesus seinen Leuten wegweisend, helfend und ermutigend zur Seite.

Anderen den Rücken stärken und sie ermutigen. Wir sind zwar Meister, wenn es darum geht, anderen in den Rücken zu fallen, aber oft klägliche Versager, anderen den Rücken zu stärken und sie zu ermutigen. Wir sind schnell dabei zu sagen oder zu denken: „Na ja, das hab ich ja gleich gewusst, dass das nichts wird. Der kann das sowieso nicht!“ Ermutigen aber heißt u.a., dem andern eine zweite und dritte Chance geben. „Probier es noch einmal! Aller Anfang ist schwer. Du schaffst das! Ich helfe dir!“

Kritik annehmen und ein Lernender bleiben. Dies ist ein besonders heikler Punkt. Wer sagt mir ehrlich und kritisch, aber konstruktiv, was nicht gut ist und was ich verändern sollte? Hast du jemand, der dir kritische Dinge sagen darf? Such dir jemand! Beauftrage ihn! Lass dir etwas sagen! Wir bleiben in der Schule Jesu ein Leben lang Lernende. Deshalb: Bleib dran! Lass dich von Jesus und von Menschen korrigieren! Der Herr segne Sie und durch Sie andere!

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