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Treue Begleiter
Ausgabe Nr. 4, August / September 07 - Matthias Peipp, LKG Steindl

In meinem Elternhaus auf unserem Hof in Buchschwabach bei Rosstal wurden die Bibelstunden der Landeskirchlichen Gemeinschaft abgehalten. Wir gehörten zum Bezirk Roth. Schon mit ca. neun Jahren erlebte ich eine Gebetsstunde. Mir war eindrücklich, dass knieend gebetet wurde.
Mit 15 Jahren bin ich einige Male nicht zum Appell der H.J. (Hitler Jugend) angetreten, obwohl das eigentlich für jeden Jungen damals Pflicht war. Zur Appellzeit am Sonntagmorgen war Gottesdienst. Ich durfte im Gottesdienst die Orgel spielen. Deswegen wurde ich dann von den anderen in der HJ ausgelacht.

Ein treuer Seelsorger war mir in dieser Zeit des Zweiten Weltkrieges der über 70jährige, schon pensionierte Sekretär vom CVJM Nürnberg-Gostenhof, Pankraz Wittman. Bruder Wittman hielt oft bei uns die Bibelstunde. Anschließend brachten wir ihn mit der Chaise unseres Pferdefuhrwerks nach Rosstal oder Raitersaich zum Bahnhof. Wir, das waren in der Kriegszeit drei bis sechs junge Männer vom CVJM. Wir trafen uns zum Bibellesen und Beten und zu gemeinsamer Freizeitgestaltung. Die Fahrten mit Bruder Wittman zum Bahnhof waren immer lustig. Er sprach in fröhlicher und witziger Art mit uns Jungen und interessierte sich für unseren Alltag. Zu unserem Posaunenspiel z.B. meinte er, wir sollten sowohl mit dem Maul blasen als auch mit dem Herzen. Er verstand Spaß und redete nicht von oben herunter. Er sprach uns Jungen Mut zu, als bei der Eroberung Nürnbergs und beim Kriegsende unsere Hoffnungen zusammenbrachen. Seine Predigten kamen aus dem Bibeltext. Sie waren ernst und immer lebensbezogen. Bruder Wittman lud uns ein, mit ihm persönlich zu sprechen. Das habe ich öfter getan. Besonders als er bei Kriegsende für ein halbes Jahr mit seiner Frau auf unseren Hof ausquartiert war. Danach wohnte er wieder in Nürnberg. Nach dem Krieg machte ich einen Orgellehrgang in Erlangen und auf dem Weg dorthin öfter Station bei Bruder Wittman. Er war immer gastfreundlich und an meinem persönlichen Ergehen interessiert. Bei der Verlobung mit meiner Frau 1951 hielt er uns die Andacht.

Als ich 1952 meine liebe Frau heiratete und raus nach Eysölden auf den Zereshof zog, wurde mir Prediger Radke vom damaligen Bezirk Nürnberg- Fischbachstraße, heute Strauchstraße, ein treuer Wegbegleiter. Bruder Radke war ca. 35 Jahre alt und ein offensiver, missionarischer Mann. Mit dem Motorrad war er im Bezirk unterwegs. Vier Bibelstunden hielt er nacheinander am Sonntag in den Bauernstuben in Pyras, Eysölden, Alfershausen und Steindl. Als Hochzeitsgeschenk übertrug er mir die Leitung des cjb und des gemischten Chores in Eysölden. Bruder Radke ging gezielt auf leitungsbegabte Leute zu und leitete sie zum selbständigen Bibellesen, Jugendkreis-Halten und zur Mitarbeit an. Er interessierte sich für uns persönlich, unsere Familie und unseren Beruf, und er betete mit uns. 1956, als meine Frau rasch zur Entbindung unseres zweiten Kindes in Nürnberg ins Krankenhaus musste, konnte ich bei Radkes übernachten. Später waren Radkes manchmal für drei, vier Tage bei uns im Urlaub. Bruder Radke war ein begeisternder Redner, der genauso wie Bruder Wittman biblisch und lebensnah zugleich verkündigte. Zusammen mit Bruder Wild, dem Verbandsjugendleiter, hat er viele junge Menschen geprägt. Das bewirkten vor allem die Freizeiten und Ausflüge, die wir miteinander machten. Ich erinnere mich gut an einen Ausflug mit vier Gogo-Mobilen (siehe Foto) und an Wanderungen in der Fränkischen Schweiz, z.B. auf dem Norissteig. Es herrschte bei uns eine wohltuende Gemeinschaft. Wir waren gerne miteinander zusammen, und dadurch war die Offenheit für die zupackende Verkündigung von Bruder Radke groß. 1954 fand z.B. in unserem Haus auf dem Zereshof und auf den beiden Nachbarschaftshöfen (Heindlhof) eine Winterfreizeit für junge Menschen statt. Die Leitung hatten Bruder Radke und Bruder Wild. Abends gab´s in unserem Wohnzimmer Themen für junge Leute. Einmal waren wir mehr als 100 Leute, die bis in den Flur standen.

Im Jahre 1971 wurde unser Gemeinschaftshaus in Steindl gebaut (siehe Foto). Ich war als Bauleiter verantwortlich. In den Jahren danach gab es in unserer Gemeinschaft einen Aufbruch. Schon am Einweihungstag war das Haus überfüllt. Bei nachfolgenden Evangelisationen haben immer wieder Menschen zu Jesus Christus finden dürfen. Ich arbeite gerne in der Gemeinschaft und in der Evangelischen Landeskirche mit, hier ist mir ein gutes Miteinander sehr wichtig. Als ich 1984 in die Bayerische Landessynode gewählt wurde, war es mir ein Anliegen, dass wir in unserer Arbeit missionarisch bleiben. In den 12 Jahren meiner Mitgliedschaft habe ich auch in der Synode einen Kreis von Gleichgesinnten gefunden. Jeden Morgen haben wir uns zur Gebetsgemeinschaft versammelt.

In all diesen Jahren habe ich viel Freude und auch manches Schwere erfahren. Dass ich heute mit 78 Jahren noch „dabei bin“ ist nicht mein Verdienst, sondern allein Gottes Gnade!

Drum so will ich wallen meinen Pfad dahin, bis die Glocken schallen und daheim ich bin. Dann mit neuem Klingen jauchz ich froh dir zu: nichts hab ich zu bringen, alles, Herr, bist du!
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