Fünf bis sieben Tage lang waren jeden Abend öffentliche Themenabende mit viel Musik und Gesang und Zeugnissen in der Kirche. Anschließend ging´s in den Privathäusern der Gemeinde, wo wir untergebracht waren, mit Nachversammlungen weiter. Da wurde in der Gruppe dann viel gesungen und miteinander geredet und jeder, der wollte, erzählte öffentlich ein persönliches Erlebnis oder eine Einsicht. Und fast jeder wollte. Jeder von uns Franken kam auch irgendwann mal dran, bei den Themenabenden in der Kirche ein Zeugnis des Glaubens zu sagen. Einmal hatte ich jeden Abend in der Woche die Begrüßung zu machen. Und in unseren Quartieren in den Privathäusern waren wir für eine kurze Morgenandacht und die Tischgebete zuständig.
Es herrschte eine großartige Atmosphäre und dichte Gemeinschaft. Jeder trug seinen Teil zum Gelingen bei. Aus unseren Einsätzen und Gesprächen im Burgenland haben sich oft tiefe und bindende Freundschaften gebildet. Für mich ist es immer ein tiefes Erlebnis geblieben, wenn man miteinander vom Glauben reden und sich dann gegenseitig Lebenshilfe geben kann. Ich habe dabei erlebt, wie junge Leute und Ältere zum Glauben fanden. Ich habe gesehen, wie Jesus an den Herzen der Menschen arbeitet und dass Gott Realität ist. Es war keine abgestandene Sache. Ich selbst hatte den größten Gewinn von diesem Zeugnisgeben und den Gesprächen und der Verantwortungsübernahme.
Etwas von diesem Geist des Mitgestaltens und der Gemeinschaft herrschte auch manches Mal bei den Treffen des CJB in Puschendorf an Ostern und Pfingsten. Deshalb war ich da auch gerne mit dabei. Vor allem aber haben mir die Freizeiten des CFR viel bedeutet. Bei dem Austauschen und Mitgestalten bei den Bibelarbeiten und Wanderungen und Tischgesprächen bin ich im Glauben an Jesus sehr gestärkt worden.
Von 1987 bis 2002 war ich drei Wahlperioden lang Bezirksdelegierter für den Bezirk Kitzingen. Das war eine erfüllende Zeit. Es gab eine gute Zusammenarbeit mit den jeweiligen Predigern. Ich konnte meine Meinungen und Erfahrungen in die Arbeitsgespräche einbringen; ebenso in den Gemeinschaftsrat und den Mitarbeiterkreis. Besonders die entschiedene Auslegung des Wortes Gottes war mir ein großes Anliegen. Dafür habe ich mich immer eingesetzt und gemüht, dass wir in der Landeskirchlichen Gemeinschaft eine gute und geistlich aufbauende, lebensbezogene Verkündigung haben. Ich habe deshalb auch selbst Bibelstunden gehalten. Wenn man will, dass die Gemeinschaftsarbeit nicht zurückgeht, dann müht man sich ganz anders um die Menschen und betet für sie und denkt darüber nach, was zu tun ist, dass die Plätze in der Bibelstunde und im Gemeinschaftshaus nicht leer bleiben. Es hat mich sehr geschmerzt, dass wir in meiner Amtszeit Bibelstunden in Außenorten schließen mussten, weil die Leute des mittleren Alters und Jüngere nicht gewonnen wurden und die Älteren wegstarben. Befriedigt hat mich, dass wir einen Gebetskreis aufmachten, der 14tägig speziell und ganz persönlich für die Anliegen der LKG und für einzelne Personen unserer Gemeinschaft betet. Außerdem bin ich immer aktiv auf die jungen Leute zugegangen und habe mich mit ihnen unterhalten und versucht, ihre Anliegen zu verstehen und zu unterstützen.
Das Größte war natürlich, dass wir am Ende meiner Zeit als Bezirksdelegierter aus den eingeschränkten räumlichen Verhältnissen unseres alten Gemeinschaftshauses herauskamen. Jahrelang wussten wir: Wir müssen etwas unternehmen. Dann vererbte uns eine Frau 200.000 DM. Das war der Grundstock. Die anschließenden Spendenaufrufe zum Grundstückskauf und Hausumbau haben viele unterstützt und Opfer gebracht. Wir konnten Grundstück und Gebäude mit Wohnung und Verkaufsräumen eines Autohändlers der amerikanischen Soldaten kaufen. Wir haben dann 2001 und 2002 alle Räume neu gestaltet und den Gemeinschaftssaal neu angebaut. Bei den dabei tätigen Handwerksunternehmern haben Mitarbeiter von uns als Hilfskräfte mitgearbeitet, und uns wurden dafür 25,--DM pro Stunde pro Mann bei den Rechnungen gutgeschrieben. Vieles haben wir auch selbst gemacht: Malern, Fliesen, Außenanlagen usw. Diese gemeinsame Aufgabe hat uns als Gemeinschaft sehr verbunden. Es war ein Riesenerfolgserlebnis, dass wir das gemeinsam geschafft haben. Es macht unwahrscheinlich Freude, mit zu erleben, wie etwas gemeinsam Geplantes Gestalt annimmt und dafür mit verantwortlich zu sein.
Schließlich denke ich auch sehr gerne an die Mitarbeit als Bezirksdelegierter in der Delegiertenversammlung des Gemeinschaftsverbandes zurück. Dadurch ist mir die Gemeinschaftsarbeit und der Verband noch mal neu ans Herz gewachsen. Man war als Bezirksdelegierter recht gut informiert über das, was im Verband lief und konnte auch daran mitwirken und so Verantwortung übernehmen. Heute läuft das über die Regionaltreffen. Das finde ich auch gut, wie wir örtlichen Mitarbeiter mit in die Verantwortung für den Verband genommen werden. Man muss sich beteiligt wissen und zusammen mit anderen etwas bewegen können, sonst ist man auf Dauer nicht gerne dabei.
Insgesamt hatte meine aktive Mitarbeit in der Landeskirchlichen Gemeinschaft starke Auswirkungen auf meinen Glauben an Jesus. Ich habe, wie gesagt, Gott am Werk gesehen. Menschen wurden gläubig und andere wuchsen und wurden fest im Glauben und der Mitarbeit. Man hat immer etwas als Gebetsanliegen mit sich getragen und auch an Gebetserhörung erlebt. Es ist zum Staunen, was Gott an Menschen tut. Das hat meine Beziehung zu Jesus sehr gestärkt und frisch gehalten. Mein verantwortliches Mitmachen in der Gemeinschaftsarbeit hat mich vor Gleichgültigkeit und Konsumentenhaltung bewahrt.
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