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Zielorientierte Gesprächsführung in der Kleingruppe
Ausgabe Nr. 2, April / Mai 2008 - Rainer Hübner, Burgthann

Wenn ich nach einem abendlichen Besuch eines Hauskreises heim komme, würde ich gerne meiner Frau sagen können: „Das war ein guter Abend. Ich fühlte mich von den anderen angenommen. Ich gehöre zu der Gruppe. Ich habe heute etwas dazu gelernt und einen Impuls für mein Leben mit Jesus erhalten.
Und ich konnte auch anderen was geben.“ Der Besuch einer Kleingruppe soll uns helfen, im Glauben an Jesus Christus und in der Gemeinschaft mit den anderen zu wachsen. Ich behaupte, dass die Qualität des Gespräches in der Kleingruppe von entscheidender Bedeutung ist, um dieses Echo eines Kleingruppentreffens zu erreichen. Deshalb möchte ich motivieren, Gespräche in einer Kleingruppe zielorientiert zu führen.

In den meisten Kleingruppen ist festgelegt, wer einen Bibeltext oder ein Thema vorbereitet und einen Start-Impuls für das Gespräch gibt. Doch häufig verläuft das Gespräch nicht so, wie es der Leiter beabsichtigt (wenn er es überhaupt beabsichtigt). Ich erinnere mich noch gut an einen Jugendkreis, dessen Gespräche von verschiedenen Mitarbeitern geführt wurden. Den Kreis besuchten regelmäßig zwei sprachlich gewandte „Charakterköpfe“. Man konnte schon am Anfang des Gruppengespräches mit großer Wahrscheinlichkeit voraus sagen, wer am Ende das Gespräch dominierte: diese beiden Personen, obwohl sie nicht die Gesprächsleiter waren. Manchmal machte das die Sache spannend (wenn das Gespräch langweilig verlief), oft frustrierte es auch, weil man immer wieder bei den gleichen Themen ankam. Selbst wenn der Gesprächsleiter bestimmt ist, heißt es also noch nicht, dass das Gespräch zu einem bestimmten Ziel kommt. Natürlich hat nicht jeder die Gabe, ein Gespräch zu leiten. Ist jemand einfühlsam, kann zuhören, Meinungen erfassen und vielleicht sogar auf den Punkt bringen, hat er schon großartige Voraussetzungen zur Gesprächsleitung. Wenn er dann noch einige Regeln beachtet, kann er ganz sicher lernen, ein Gespräch so zu lenken, dass es gewinnbringend für die Teilnehmer wird. In den wichtigen biblisch-geistlichen Grundlagen sollte der Gesprächsleiter für eine christliche Gruppe zu Hause sein.

Ich lade Sie ein, darüber nachzudenken, ob das nicht eine Herausforderung für Sie persönlich wäre. Deshalb will ich Ihnen heute und im folgenden „Blickpunkt“ ganz praktische Hilfen für das Gespräch in der Gruppe geben.

Im Normalfall machen wir uns wenig Gedanken über Gesprächsabläufe in einer Kleingruppe, es sei denn es kommt zu Verletzungen oder zum Eklat. Dann fragt man sich: Wie konnte es nur so weit kommen? Doch immer wieder gehen wir mit dem Gefühl aus dem Gruppentreffen, dass das Gespräch nicht richtig gegriffen hat, können es aber nicht fest machen, woran es lag.

Deshalb möchte ich versuchen, ihnen im ersten Teil bewusst zu machen, wie Gespräche verlaufen und sinnvoll gelenkt werden können. Vor einigen Jahren fand ich in einer Mitarbeiterzeitschrift ein treffendes Bild für ein Gruppengespräch: Es wird mit fließendem Wasser verglichen. Ein Gespräch fließt, plätschert oder zieht sich träge dahin. Gesprächsleitung heißt, für diesen Fluss Verantwortung zu übernehmen. Und das kann so aussehen:

1. Es gibt Situationen, da überschlägt sich das Gespräch. Immer neue Themen werden angerissen, die Teilnehmer werden hitzig, und ein Durcheinander entsteht. Jetzt baut der Leiter einen Damm. Das heißt, er zieht eine Zwischenbilanz und bestimmt, mit welchem Thema fortgesetzt wird.

2. Ein anderes Mal schleicht das Gespräch lustlos dahin in immer langweiligeren Schleifen (allgemeines “Blabla“). Jetzt verengt der Leiter den Flusslauf. Er bringt das „Herumgerede“ auf eine präzise Fragestellung. Er macht zum Beispiel das fromme Reden praktisch („Was heißt ‚Geduld‘ für dich im Familienalltag?“ Wenn er mit dieser direkten Frage den Teilnehmer überfährt, kann er die Frage zunächst auch verfremden: „Was heißt Geduld für Christen im Familienalltag, wenn ...“). Damit wird es persönlich und spannend.

3. Manchmal versickert das Gespräch. Jeder hat das Gefühl, dass das Thema ausgeschöpft ist. Der Gesprächsführer sollte ein neues Thema wie einen Seitenbach herein leiten oder aus dem Reservoir eines zuvor nur kurz angeschnittenen Themas einen Zufluss schaffen.

4. Zuweilen kommt es vor, dass Leute Äste oder Brocken (unpassende, unkonkrete fromme Antworten oder große persönliche Probleme) hineinwerfen, die den Gesprächsfluss hemmen, ja zum Stocken bringen können oder ihn in eine andere Richtung abzudrängen drohen. Der Leiter muss jetzt schnell entscheiden, ob er diesen Umweg zulassen will; sonst muss er das Hindernis schleunigst ausräumen, indem er das Thema eventuell vertagt oder kurz selbst beantwortet. Lässt er die Richtungsänderung zu, muss er sehr wach sein, dass nicht der ganze Abend eine andere Richtung nimmt. (Wobei selbst dies zuweilen kein Schaden ist, aber nicht die Regel sein sollte.)

5. „Ende gut - alles gut.“ Was ist ein „gutes Ende“? Ein Ende, das das ganze Gespräch abrundet und bei dem sich die Teilnehmer auf das nächste Mal freuen. Für ein solches „gutes Ende“ ist es nötig, dass der Leiter ein wenig mit der Uhr arbeitet und wie ein kluger Steuermann weiß, an welcher Stelle er mit seiner Gruppe das Ufer erreichen will. Er sollte sich eine Viertelstunde vor Schluss überlegen, ob er noch einen neuen (und gegebenenfalls welchen) Themenbereich anschneiden will oder zulassen darf. Sonst muss er nachher gewaltsam abbrechen, und die Leute kommen sich vor wie bei einer Notlandung. Für viele Fragen, die man alle noch gerne diskutiert und gelöst hätte, ist nun plötzlich keine Zeit mehr. Richtet er aber sich und auch die Gruppe auf das Ende des Abends ein, kann er ohne Hast zusammenfassen, was man erreicht hat und darauf hinweisen, wie man jetzt noch fortsetzen könnte. Es ist daher gut, wenn er sich während des Abends stichwortartig Notizen vom Verlauf des Gesprächs gemacht hat.

Solch ein Abschluss gibt den Teilnehmern das Gefühl, gut geleitet worden zu sein und etwas erreicht zu haben.

Im nächsten Blickpunkt: „Gesprächstäter und Gesprächstöter“
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