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Bibelstunden – mal anders?!
Ausgabe Nr. 4, August / September 2008 - Daniel Hahn

Die Bibelstunden sind in unserer Gemeinschaftsarbeit ein historisch und aktuell wichtiges Zentrum. Hier graben wir im biblischen Text, fragen was das mit unserem Leben zu tun hat und wie wir es umsetzen können. Aber häufig laufen die Bibelstunden relativ ähnlich ab: Sie werden frontal von einer Person gestaltet, es findet kaum Beteiligung statt.
Wie kann mal variiert werden? Es gibt Methoden, wie ein Bibeltext mal anders erschlossen werden kann. Dazu soll dieser Artikel dienen, vielleicht neue Zugänge zu finden, neue Ideen zu bekommen für das eigene Bibelstudium oder die eigene Bibelstundenarbeit. Und er soll eine Ermutigung sein, Methoden auszuprobieren.

Gott braucht unsere Methoden nicht! Bei allem Einsatz von Methodik gilt: Gott braucht unsere Methodik nicht. Er selbst kann auch sein Wort ohne Methoden zur Geltung bringen, denn es birgt Kraft in sich. „Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert ...“‚ (Hebr. 4,12), oder: „Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?“ (Jer. 23,29)

Aber wir Menschen brauchen Methoden, um manches besser verstehen zu können oder aber um uns Dinge besser merken zu können. Von daher sind Methoden nicht das „Allheilmittel“, um einen eingehenden Bibelkreis neu zu beleben. Aber sie können eine Hilfe sein, einen Kreis zu verändern und neues Verständnis oder auch Interesse zu wecken. Dafür können Methoden sinnvoll und hilfreich sein. Aber sie wollen auch umbeten sein: Welche Methode setze ich ein? Wovon muss ich mich verabschieden, weil es hinderlich ist und nicht weiterbringt?

Aber jetzt: Eine Ideenbörse für Methoden Ab jetzt wird es praktisch – Einige Methoden für Bibelstunden oder Bibelgespräche kurz vorgestellt …

Bibelteilen
Der Bibeltext wird in der Gruppe gelesen, anschließend beginnt eine kurze Phase der Stille, in der jeder für sich den Bibeltext nochmals betrachtet. Danach darf jeder die Worte oder den Vers wiederholen, der ihm wichtig ist – ohne Kommentierung. Es sollen dabei keine eigenen Worte vorkommen. Nach nochmaligem Lesen des Textes beginnt der Austausch über den Text: Was ist mir wichtig geworden? Was hat mich besonders berührt? Was ist die Quintessenz des Textes für unser Leben?

Bildbetrachtung
Ein Bild zum Bibeltext oder aber einer ähnlichen Situation kann ein guter Gesprächseinstieg sein. Das Bild kann beschrieben werden, ohne dass direkt der Bibeltext zur Sprache kommt. Die Teilnehmer können sich auch ein Bild aus vielen verschiedenen Bildern aussuchen, das zum Bibeltext passt, um dann zu begründen, warum sie genau dieses Bild gewählt haben. Die Einsatzmöglichkeiten für Bilder in der Bibelarbeit sind vielfältig.

Klangbild
Diese Methode ist besonders geeignet für Psalmen. Nach dem Lesen des Textes sucht sich jeder Teilnehmer den Vers aus, der ihn anspricht. Dann wird der Text laut vorgelesen, und bei ihrem ausgesuchten Vers stimmen die Teilnehmer in das Lesen ein. Dadurch wird deutlich, wo der Text den Teilnehmern sehr nahe ist.

Kompilation
Aus verschiedenen Bibelübersetzungen wird eine neue Übersetzung zusammengestellt. Das kann gemeinsam mit der Gruppe geschehen oder aber für sie, um das Gespräch zu beginnen.

Leitfragen
Da viele Bibeltexte mehrere Themen gleichzeitig ansprechen, wird mit Leitfragen versucht, ein Thema zu kanalisieren und hervor zu heben. Dabei wird der Focus auf die entscheidenden Verse zum Thema gerichtet.

Lesen
Schon beim Lesen kann der Text vielseitig gestaltet werden: Durch Vorlesen, Lesen in verteilten Rollen, das nebeneinander stellen verschiedener Übersetzungen, etc. Dadurch kann ein interessantes Gespräch entstehen.

Meine Geschichte mit der Geschichte
Hier besteht die Möglichkeit, darüber nachzudenken: Wo ist mir der Text schon begegnet? Welche Erinnerung verbinde ich mit dem Text? Danach besteht die Gelegenheit des Austausches.

Mit allen Sinnen
Viele Bibeltexte enthalten Symbole oder Motive, die über mehrere Sinne erfahrbar gemacht werden können. Diese Sinne können durch verschiedene Elemente angesprochen werden, z.B. fühlen, schmecken, riechen, etc. Diese Symbole oder Motive können eingesetzt werden.

Rollen-Ich
Die Teilnehmer versetzen sich in die Figuren der Geschichte und versuchen zu beschreiben, was die Figuren denkt, fühlt und erlebt. Dabei spiegeln sie zwar mehr ihre eigenen Gefühle und Gedanken wieder als die der damaligen Person, aber es geschieht Identifikation mit dem Textgeschehen.

Symbole aufnehmen/Zeichenhandlung
In vielen Bibeltexten gibt es Symbole, die vorkommen. Diese Symbole können fruchtbar gemacht werden, z.B. in dem sie für jeden zur Verfügung stehen, hinterher mit nach Hause genommen werden können oder auch während der Bibelstunde zum Einsatz kommen, z.B. in dem die Teilnehmer sie in die Hand gelegt bekommen.

Västerås-Methode
Diese Methode stammt aus der gleichnamigen Stadt in Schweden. Sie ist einfach durchführbar: Jeder Teilnehmer bekommt den Bibeltext als Kopie ausgehändigt. Mit einem Stift sollen sie den Text mit drei Zeichen bearbeiten:
! Diese Stelle halte ich für besonders wichtig
? Diese Stelle verstehe ich nicht
* Diese Stelle berührt mich/ärgert mich
Jedes Zeichen darf mehrfach verwendet werden. Zu Beginn arbeiarbeitet jeder Teilnehmer für sich, danach geht es in die Gesamtgruppe. Dabei bekommen die Fragen und Anmerkungen der Teilnehmer ihren Raum. Diese Methode eröffnet eine breite Gesprächsebene.

Verfremdung
Der Bibeltext wird ab einer bestimmten Stelle umgeschrieben. Diese Stelle ist meist eine überraschende Wendung im Text. Dabei entsteht ein Gegentext, dessen Kontrast zum eigentlichen Text die Pointe in ein neues Licht setzt.

Soweit mal als „Appetitanreger“. Wie es zum Beispiel ganz praktisch wird, können Sie im Artikel aus Helmbrechts nachlesen. Ich wünsche Ihnen viele spannende und interessante Entdeckungen in Gottes Wort, vielleicht ja durch die Anwendung der einen oder anderen Methode.
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