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»Bibel teilen« – Erfahrungen mit einer sehr persönlichen Form von Bibelgespräch
Ausgabe Nr. 4, August / September 2008 - Christian Hertel, Kitzingen

Seit zwei Jahren gibt es neben den sonntäglichen Gottesdiensten bei uns in Kitzingen auch eine Bibelstunde unter der Woche. Hier beginnen wir in der Regel nach gemeinsamem Singen mit einer Einführung in den Bibeltest, die schließlich in ein Bibelgespräch und eine Gebetsgemeinschaft übergeht. Von Zeit zu Zeit weichen wir aber von der Regel ab und nutzen für unser Bibelgespräch die Methode »Bibel teilen«. Diese ursprünglich katholische Konzept aus Südafrika ist inzwischen weit verbreitet.
Man spricht auch von Lumko-Methode nach dem Pastoralinstitut Lumko der katholischen Diözese Johannesburg, die die Methode erarbeitete. Sie existiert mit unterschiedlichen Akzentuierungen und findet sich beispielsweise auch auf den Internetseiten der Evangelisch- Lutherischen Kirche in Bayern als Anleitung zum gemeinsamen Lesen der Bibel. Hier leider in einer sehr allgemein gehaltenen Form. Die ursprüngliche Version, die wir benutzen setzt zwei Schwerpunkte so klar, dass sie eigentlich eine Erfindung aus dem Bereich der Gemeinschaftsbewegung sein könnte. Hier sind wir jedes Mal herausgefordert, weil man sich disziplinieren muss, nicht auszuweichen.

Der erste Schwerpunkt liegt darauf, dass der biblische Text Raum hat – keine Kommentare, keine Auslegung, keine Meinungen, keine persönlichen Einfälle – es wird nur der Text gelesen. Zuerst liest jemand den ganzen Abschnitt und dann kommen noch mal einzelne Auszügen zum klingen, die jemanden angesprochen haben. Dabei kommt es immer wieder vor, dass ein Vers mehrfach gelesen wird, weil er mehrere Leute beim Lesen bewegt hat. In der anschließenden Zeit der Stille, ist noch einmal jeder mit seiner Bibel ganz beim Text. Hier sind wir immer wieder in der Versuchung zu kommentieren und eigene Eindrücke zu vermitteln. Aber die Konzentration lohnt sich. Wir erleben dieses intensive stehen bleiben beim biblischen Wort als großen Gewinn.

Der zweite Schwerpunkt ist das persönliche geistliche Leben, die Fragen »Wo hat mich der Text berührt?« und »Was will der Herr von mir?«, werden voreinander beantwortet, aber nicht diskutiert. Das ist zwar eine Zumutung für alle Beteiligten, aber eine heilvolle Zumutung, weil uns das zum Wesen gemeinsamen Glaubens führt. Hier geben wir einander Anteil am Leben – jeder soviel er kann und soweit er es wagt. Das ist heilsam. Sonst bleiben wir im Gespräch oft im Allgemeinen oder haben sehr schnell andere vor Augen, denen man „diesen Text mal auslegen müsste“. Hier geht es nun aber um mich und um die Frage der Erwartungen Gottes an mein Leben und darum unter der Zeugenschaft der Geschwister einen eindeutigen Entschluss zu fassen, verbunden mit der Bitte beim nächsten Treffen gefragt zu werden. Ich schätze diese Methode – als Abwechslung zu unserer üblichen Bibelstundenform – weil sie ein Stück echter geistlicher Gemeinschaft provoziert und weil sie mir damit auch vor Augen führt, wer ich wirklich bin vor Gott. Wenn ich hier ehrlich vor mir und Gott bin, merke ich zu welchem Maß an gemeinsamem Leben ich fähig bin und bewahre mich damit vor frommer Selbstüberschätzung.

Sieben Schritte um sich gemeinsam dem heilsamen Wort Gottes zu öffnen:

1. Schritt: Wir laden den Herrn ein
Der/die Leiter/in betet selbst oder bittet jemanden aus der Gruppe, im Gebet Jesus einzuladen und die Gruppe durch seinen Geist in die Wahrheit seines Wortes zu leiten.

2. Schritt: Wir lesen den Text
Der Text wird reihum Vers für Vers gelesen. Danach folgt eine kurze Zeit der Stille und Besinnung.

3. Schritt: Wir verweilen beim Text
Die Teilnehmer/innen lesen nacheinander (in loser Abfolge) ein Wort oder eine Wendung des Textes laut vor, die ihnen bedeutsam erscheinen. Nach jeder Äußerung wird Stille gehalten, in der jede(r) das Gehörte innerlich wiederholt, damit es „einsickern“ kann.

4. Schritt: Wir schweigen
Der Leiter/die Leiterin lädt zum Schweigen ein (ca. 3 Minuten). Nun ist Zeit zum Meditieren des Gehörten oder einfach zur inneren Öffnung Gott gegenüber.

5. Schritt: Wir teilen einander mit, was uns berührt hat
Alle teilen einander mit, was sie persönlich am Text bewegt und betroffen macht. Beziehungen zwischen dem Gehörten und den eigenen Lebenserfahrungen werden hergestellt. (Achtung: Keine „Predigt“, keine Diskussion oder Wertung der einzelnen Beiträge!)

6. Schritt: Wir besprechen aus, was der Herr von uns will
In diesem Schritt werden praktische Konsequenzen aus dem Gehörten gezogen. Im Licht des bedachten Zuspruches und Anspruchs Gottes werden Alltags- und Gemeindeprobleme angesprochen, Vorschläge zur Umkehr und zum Handeln gemacht. Die als Wille Gottes benannten Vorhaben sollten realisierbar sein. Beim nächsten Treffen erzählen sich alle davon, wie es ihnen mit ihren Vorhaben erging.

7. Schritt: Wir beten
Der/die Leiter/in lädt nun alle zum Gebet ein. Die Teilnehmer/innen können sich am spontanen, freien Gebet (laut oder leise) beteiligen. Am Schluss wird ein bekanntes Gebet gemeinsam gesprochen bzw. ein Lied gesungen.
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