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Jesus hatte mit Politik nichts am Hut
Ausgabe August / September 2009 - Robert Augustin, Oerlenbach, Pfarrer bei der Bundespolizei

Wenn ich in meiner Bibel nachlese, dann stelle ich zunächst fest: Jesus hatte mit Politik nichts am Hut. Er mied politisch relevante Orte und hielt sich lieber in Dörfern auf. Er prangerte die Gewaltherrschaft Roms nicht an. Auch öffentliches Unrecht nahm er selten ins Visier.
Einmal kamen aufgebrachte Leute zu ihm mit der Frage, ob man dem Kaiser in Rom tatsächlich Steuern zahlen solle. Und anstatt einzustimmen in die Schimpfkanonade gegen die böse Regierung, antwortete er weise: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“

Andererseits wendet sich Jesus liebevoll einzelnen Menschen zu, auch Uniformierten: Der Hauptmann von Kapernaum (Mt 8), dessen Jungen Jesus heilt. Jesus staunt über den Glauben dieses Mannes. – Oder das Kreuzigungskommando: Sie hatten Jesus brutal misshandelt, verspottet und schließlich ans Kreuz geschlagen. Doch er sagt: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Er liebt diese Leute. Er liebt auch Polizisten.

Was heißt das für uns Christen heute? Gesellschaftliches Engagement: ja oder nein? Zu- Jesus hatte mit Politik nichts am Hut nächst: Die Lebensaufgabe von Jesus war es gewesen, seinem Vater zu gehorchen. Und das führte ihn bis zum Tod am Kreuz. Dadurch brachte er – wie wir bekennen – das Reich Gottes zum Durchbruch. Er siegte über Sünde, Tod und Teufel. Und das ist das Wichtigste, auch heute. Das Evangelium, der Glaube ist die Nr. 1.

Wenn das klar ist, dann dürfen – ja müssen – wir uns auch in der Öffentlichkeit engagieren. Wir haben das Gebot Jesu: „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!“ Wenn Christen öffentliche Verantwortung ergreifen, dann kann das gelebte Nächstenliebe sein. Ich will das am Polizeiberuf erläutern. Paulus sagt über die Polizei: Sie trüge ihre Waffen nicht umsonst, sondern sie tue es, um Bösewichte dingfest zu machen und sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen (frei nach Römer 13,4-5). Insofern ist die Polizei „im Auftrag des Herrn“ unterwegs, ist seine Dienerin.

An Gott gebunden
Soweit ein Polizist (Polizistinnen immer einbezogen) sich als Christ versteht, weiß er sich an seinen Auftraggeber gebunden: an Gott. Das macht den Dienst nicht immer einfacher. Das Gewissen kann sehr unbequem werden.

Beipiel: Großdemonstration Wackersdorf in den 80ern. Demonstranten errichten ein großes Kreuz. Ein Polizist soll mit schwerem Gerät das Kreuz vor aller Augen abreißen. Sein Gewissen schlägt Alarm. Er verweigert sich. Und die Karriere ... ? Anderes Beispiel: In einer heiklen Situation sagt ein Vorgesetzter zu seinen Leuten: „Macht mal, Jungs!“ Wenn die Beamten gut waren, ernten alle Anerkennung. Und wenn irgend etwas schief gelaufen ist? Lässt der Vorgesetzte die Beamten dann fallen wie eine heiße Kartoffel? Oder übernimmt er Verantwortung?

Drittes Beispiel: In vielen Fällen hat ein Polizist einen gewissen Spielraum, z.B. wenn ein Jugendlicher verbotener Weise die Gleise überschritten hat. Mündliche Verwarnung oder „Knöllchen“ mit Geldbuße? Für die Karriere des Polizisten ist in der Regel die härtere Variante vorteilhafter. Doch: Wozu ist er eigentlich Polizist? Was ist sein Auftrag?

Ich bin froh, dass viele Polizisten Christen sind
Ich bin sehr froh, dass viele Polizisten in Deutschland Christen sind. Es gibt sogar einen eigenen christlichen Berufsverband unter Polizisten, die Christliche Polizeivereinigung (CPV). Natürlich haben alle Polizisten einen Eid auf das Grundgesetz abgelegt, und sind verpflichtet „Die unantastbare Würde des Menschen“ zu wahren. Ich glaube aber, dass der raue Alltag diese Verpflichtung oft ins Abseits schiebt. Ein christlicher Beamter ist diesbezüglich weniger gefährdet, weil er sich Gott gegenüber in der Pflicht weiß. Soweit er seinen Dienst als gelebte Nächstenliebe versteht, ist er genötigt zu tun, was den Menschen dient (auch dem Obdachlosen in der Bahnhofshalle). Er ist genötigt, das Gerechte zu tun, selbst wenn keiner sehen würde, wie er seine Macht eigennützig missbraucht.

Von daher wird klar: Christen brauchen nicht unbedingt gesellschaftliches Engagement. Aber die Gesellschaft braucht engagierte Christen. So wurden im Jahre 1965 die Kirchen ins Boot der Bundespolizei (früher BGS) geholt. Das war ein Hilfeersuchen des Staates: Wir brauchen Seelsorger, die unseren Beamten eine gute ethische Grundlage vermitteln! Wir brauchen Seelsorger, die für unsere Leute da sind, wenn es brennt! Ich bin dankbar, seit nun fast 9 Jahren Seelsorger in der Bundespolizei sein zu dürfen. Als Pfarrer wird mir in dieser Behörde völlige Gewissens- und Bewegungsfreiheit zugestanden. Mir sind die Polizisten ans Herz gewachsen. Sie haben es oft nicht leicht. Wo keiner freiwillig hingeht, da müssen sie hin. Sie sehen Leid, Blut, Unrecht, Gewalt, Tod und müssen damit fertig werden. Für die Medien sind sie manchmal willkommene Zielscheibe. Schichtdienst und häufiger Ortswechsel belasten Gesundheit und Familien. Ich bin dankbar für jeden, der den Polizeiberuf als Berufung sieht. Ich bin dankbar für jeden, der ihn gut und gern ausübt.
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