Startseite Kontakt Impressum Datenschutz
Warum augerechnet Jesus?
Ausgabe Oktober / November 2009 - Rainer Dick, Schwabach, ehem. CVJM-Landessekretär

In einer seiner Veröffentlichungen schrieb der bekannte Publizist und Theologe Heinz Zahrnt folgende Sätze: „Jesus war ein einfacher Mensch. Aber die Christenheit hat ihn emporgejubelt und auf den Thron Gottes gesetzt.“
Hat er nicht recht? Ist das Bild von Jesus nicht erst von seinen Anhängern mit Goldstaub überzogen und mit frommen Legenden vergöttlicht worden? Ist es nicht viel angemessener, wenn wir bescheidener von ihm reden würden?

Neulich hörte ich in der Predigt eines Kirchenfürsten, dass dies der Sinn des Kreuzes Jesu sei: Er habe ein Beispiel dafür gegeben, wie man für seine Überzeugungen bis zur letzten Konsequenz gerade stehen könne. Ist das nicht viel einsichtiger als die Behauptung, da habe einer durch sein Sterben die Schuld und Sünde einer ganzen Menschheit abgetragen?

Könnten wir, wenn wir die ganze Angelegenheit auf ein verständliches Niveau brächten, nicht eher mit der christlichen Botschaft bei unseren Zeitgenossen Anerkennung finden? Passt das Jesus-Wort „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, außer durch mich“ überhaupt in die Welt eines toleranten und aufgeklärten 21. Jahrhunderts? Gibt es überhaupt eine endgültige Wahrheit, die für alle Menschen, an jedem Ort und jeder Kultur verbindlich ist?

Der ehemalige Leiter des Missionsreferats des Ökumenischen Rates, Eugene Stockwell, jedenfalls hat in seinem Referat bei der Weltmissionskonferenz in San Antonio verlauten lassen: „Natürlich ist Jesus für mich der Weg, die Wahrheit und das Leben. Das kann ich aber nicht gleichermaßen für alle anderen Menschen dieser Welt sagen. Es gibt auch andere Zugänge zu Gott.“ Spricht er nicht damit vielen aus dem Herzen? Hätten wir mit einer solchen Haltung nicht viele Anstöße aus dem Weg geräumt? Wäre nicht mit einer solchen Überzeugung dem Dialog der gionen der spezielle Stolperstein beseitigt worden?

Gibt es nicht tatsächlich in anderen Glaubensweisen Menschen, die es ganz ernst meinen, die Erstaunliches leisten, die in ihrem Verhalten vielen Christen noch als Vorbild dienen könnten? So notwendig und wichtig es ist, sich diesen Fragen zu stellen und die eigene Position kritisch unter die Lupe zu nehmen – wir kommen um einige Tatsachen nicht herum:

1. Jesus selbst erhebt einen ungeheuren Anspruch

Jesus ist eben nicht aufgetreten und hat gesagt: „Also, hört mal her. Ich habe da einige interessante Ideen über Gott und die Welt. Überlegt mal, ob die nicht bedenkenswert sind.“ Er ist aufgetreten und hat proklamiert: „Das Reich Gottes ist da. Wer mich sieht, sieht den Vater. Er und ich – wir sind eins.“ Er hat den Anspruch erhoben, Gott selbst zu sein. Das muss man erst einmal zur Kenntnis nehmen und verdauen.

Deswegen sagt er nicht: „Ich habe eine Sicht der Wahrheit. Man kann auch von anderer Seite an sie herankommen.“ Er sagt: „Ich bin die (!) Wahrheit.“ Er schlägt nicht vor: „Viele Wege führen nach Rom. Ich schlage euch einen vor, den ihr zu gehen mal versuchen könnt.“ Er konstituiert: „Ich bin der (!) Weg.“ Er liefert nicht einen Beitrag zur Lebensbewältigung. Er gibt keine Tipps für Wellness und Sinnsuche. Er behauptet: „Ich bin das (!) Leben.“

Man kann über diese Aussagen stolpern. Man kann sich daran reiben. Man kann dagegen protestieren. Sie stehen einfach vor uns. Man kann darüber nicht mehr diskutieren. Man kann sich dem Anspruch von Jesus nur unterstellen oder ihn verwerfen. Bei einem Referat vor der rheinischen Pfarrerschaft hat der Journalist Christian Nürnberger, selbst kein Christ, auf eine Plakataktion der EKD, auf der viele christliche Inhalte mit Fragezeichen versehen waren, mit folgenden Worten reagiert: „Jesus hat zwar gesagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Sein Bodenpersonal aber erklärt: Den Weg kennen wir nicht. Die Wahrheit wissen wir nicht. Vom Leben verstehen wir auch nicht so viel. Aber wir haben Erdbeertorte und viele Fragen. Dabei sucht der Mensch von heute nicht Fragen, sondern Antworten.“ Und Jesus gibt Antwort: Ich bin Gott selbst.

2. Gott bestätigt diesen Anspruch durch seine Auferweckung

Einer meiner Lehrer im Diakonenhaus Moritzburg pflegt zu formulieren: „Man kann nur dem Vertrauen schenken, der den Tod hinter sich hat.“ Man kann es nicht genug betonen: Ostern ist der Beginn der neuen Welt Gottes. An einer einzigen Stelle dieser Weltgeschichte ist der Tod ausgehebelt worden. Jesus ist nicht ein teurer Verstorbener, dem man nachtrauert und dessen gute Ideen in die Zukunft transportiert werden. Er lebt tatsächlich. Er ist der Triumphator über den Tod. Und deshalb ist sein Wort endgültig. Deshalb ist sein Anspruch ewigkeitsgültig. Deshalb ist auf ihn absoluter Verlass. Wir waren auf einer Gruppenreise durch Israel. Unser Tour-Guide war Jude, hochgebildeter Professor, aus Deutschland stammend. Während der ganzen Tour hat er immer wieder uns Christen mit Bemerkungen wie folgt provoziert: „Jesus hat doch nichts Neues gebracht. Das haben wir Juden doch schon alles gewusst.“

In der Synagoge von Kapernaum habe ich ihm dann geantwortet: „Du magst ja recht haben. Aber wir glauben auch nicht an Jesus, weil er so viel absolut Neues gebracht hat. Wir glauben an ihn, weil Gott ihn von den Toten auferweckt hat.“ Die Grabmäler der großen Religionsstifter dieser Welt sind zu besichtigen. Nur das in Jerusalem ist leer.

Nein, nicht Menschen haben Jesus auf den Thron Gottes „emporgejubelt“. „Gott hat ihn erhöht und einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass sich in dem Namen Jesu alle Knie derer beugen sollen, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind.“ (Phil.2,5-11)

3. Das kann man testen

Wie bekommen wir raus, ob der Anspruch von Jesus stimmt? Nur so, in dem wir uns auf Jesus einlassen. Ob ein Taxichauffeur vertrauenswürdig ist, kann ich nur heraus bekommen, indem ich bei ihm einsteige. Ob eine Liebesbeteuerung hält, kriege ich nur raus, indem ich mich darauf einlasse.

Jesus hat einmal dazu aufgefordert: „Wer wissen will, ob ich von Gott bin, der muss tun, was ich sage.“ (Joh.7,17) Wir müssen seinen Anspruch nicht schlucken und dabei Erstickungsanfälle bekommen. Wir können ausprobieren, ob hält, was er sagt. Den Mut müssen wir allerdings aufbringen: Das Wort von Jesus gelten lassen und danach leben. Wir werden umwerfende Entdeckungen machen.

Auf der Straße war sie zu ProChrist in Chemnitz eingeladen worden. Sie selbst war ungläubig, hatte keine Ahnung vom christlichen Glauben, engagierte sich in der Linkspartei. Bei der Veranstaltung am Abend ging sie nach vorn, suchte das seelsorgerliche Gespräch und bekehrte sich zu Jesus. Im Berichtsheft von ProChrist beschreibt sie ihre Erfahrung unter der Überschrift: „Ich habe das größte Geschenk erhalten, was es nur gibt.“

Ausgerechnet Jesus.
Druckansicht
zurück