Wie soll man sich entscheiden, an den vielen Weggabelungen des Lebens? Ständig wird von uns Entscheidungskompetenz gefordert. Wer heutzutage in unserer modernen „Multioptionsgesellschaft“ eine simple Margarine kaufen möchte, sieht sich einem unüberschaubaren Angebot an Brotaufstrichen gegenüber. Vielen ist diese Vielfalt längst zu viel und wir sehnen uns wieder nach einer Reduzierung der Möglichkeiten. – Oder danach, dass uns wenigstens jemand die Entscheidung einfach abnimmt. Denn entscheiden heißt vergleichen, prüfen und abwägen müssen.
„Welchen Schulabschluss soll ich anstreben? Welchen Beruf soll ich ergreifen? Soll ich überhaupt heiraten? Und wenn ja, wen? Wie lege ich mein Geld am besten an? An welchem Ort soll ich mich niederlassen? Soll ich dort ein Haus kaufen oder flexibel bleiben und zur Miete wohnen? Will ich eine Familie gründen oder auf Kinder verzichten? Soll ich Christ werden oder lieber doch nicht?“
Die wichtigste Entscheidung im Leben „Entscheide dich!“ Der eindringliche Ruf der früheren Erweckungsprediger gilt auch heute noch. Jeder muss eine Entscheidung treffen, ob er Jesus nachfolgen will oder nicht. Passivität wäre hier Ablehnung. Die Liebe Jesu will unser Herz erreichen und zu einer Entscheidung für ihn führen. Jeder Mensch hat zwei- oder dreimal im Leben die Chance, eine unbeeinflusste Entscheidung für oder gegen Gott zu treffen (Hiob 33,29 f.). Dies ist die wichtigste Entscheidung im Leben, bestimmt sie doch nicht nur den weiteren Lebenslauf, sondern auch die Ewigkeit danach.
Auswege aus der Qual der WahlGerade schwerwiegende Entscheidungen lassen uns lange die verschiedenen Argumente dafür und dagegen abwägen. Im schlimmsten Fall bis hin zur Entscheidungsunfähigkeit. Man will sich nicht festlegen und landet in einer Patt- Situation – sei es aus Perfektionismus („Mach bloß keinen Fehler!“), der nebulösen Hoffnung, dass sich eine „noch bessere“ Alternative auftut, oder der schlichten Angst vor den negativen Folgen einer Fehlentscheidung. Die Folge dieser Passivität ist, dass das Leben oder andere Menschen für einen entscheiden und man dann nehmen muss, was man kriegt.
Was also tun? Zunächst einmal treibt uns diese erlebte Hilflosigkeit hoffentlich in die Arme Gottes und ins Gebet. „Der Mensch weiß nicht, was sein wird.“ (Prediger 10,14) Nur unser ewiger Gott weiß, wie man sich im Lichte zukünftiger Entwicklungen heute entscheiden muss. Daher ist der weise und vernünftig, der als allererstes diesen Herrn um Weisheit für eine richtige Wahl anfleht (Jakobus 1,5) und Gottes Wort befragt. Und Jesus verspricht seinen Nachfolgern dann auch, ihnen Antwort geben zu wollen (Johannes 10,3).
Diese Glaubensgewissheit gibt Mut, Verantwortung für notwendige Entscheidungen zu überübernehmen, selbst wenn diese eigenen Wünschen zuwiderlaufen sollten. Wer sich beispielsweise fragt, ob er sich für eine „neue Liebe“ in seinem Leben entscheiden soll, dabei aber eine bestehende Familie riskieren und Ehebruch begehen würde, braucht nur in die Bibel zu schauen, um eine klare Antwort zu erhalten (Maleachi 2,10 ff.; Sprüche 5 und 6,20 ff.; Hebräer 13,4).
Aber nicht alle Fragen des Lebens werden so unmissverständlich im Wort Gottes beantwortet. Deshalb zur Entscheidungsfindung in nicht so klaren Fällen hier ein paar weitere Tipps:
- Informationen einholen (Liste mit Pro’s und Contra’s
- Gewichtung dieser Argumente nach subjektiver und objektiver Bedeutung
- Beratung mit Dritten darüber (Glaubensgeschwister, Fachleute), die mehr Lebenserfahrung haben oder vielleicht eine ähnliche Entscheidung bereits zu treffen hatten – denn „wo viele Ratgeber sind, gelingen die Pläne!“ (Sprüche 15,22)
- gemeinsames Gebet darüber gibt Gelassenheit und Zuversicht in Gottes Hilfe
- dann: Entscheidungsfindung im Vertrauen auf Gott eine Zeit lang ruhen lassen zur Konsolidierung der aufgenommenen Informationen im Gehirn
- danach: mit diesem inneren Abstand kurz nochmals alle bisherigen Argumente prüfen und dann eine zügige Entscheidung treffen (damit man nicht in eine lähmende Passivität verfällt)
Wenn das alles nichts helfen sollte, handelt es sich möglicherweise um zwanghaftes Grübeln. Man kann aus den immer gleichen Denkschleifen nicht mehr freiwillig aussteigen. In diesem Fall raten wir dringend zu einer Kognitiven Verhaltenstherapie, die sehr hilfreich sein kann, aber möglichst bei darin ausgebildeten Psychotherapeuten oder Seelsorgern. Und möglichst nur bei solchen, die neben aller fachlichen Kompetenz bewusst Gottes Wort zum Maßstab ihres therapeutischen Handelns erhoben haben.
Besser als Hände waschen...US-amerikanische Psychologen haben kürzlich schier Unglaubliches herausgefunden: Menschen, die sich mit Entscheidungen (meistens zwischen zwei attraktiven Alternativen) schwer tun, bekommen nach einer getroffenen Entscheidung eher Frieden darüber, wenn sie sich hinterher die Hände waschen. Man weiß bisher nicht, warum dies so ist. Vielleicht ist es ein zwanghaftes Verhalten (Reinigungszwang) nach einem Grübelzwang (Zwangsgedanken). Vielleicht war ja auch Pontius Pilatus (der seine Hände nach gefälltem Urteil über Jesus „in Unschuld wusch“) neben all seiner großen Schuld auch noch zwanghaft – wer weiß...
Besser als Hände waschen nach einer gefällten Entscheidung ist die Gewissheit, dass Gott sogar Fehlentscheidungen im Leben Seiner Kinder zum Besten wenden kann (Römer 8,28). Viel wichtiger als die perfekte Entscheidung zu treffen ist es, Gottes Liebe in Jesus Christus anzunehmen: „Aber der HERR, dein Gott, wandelte dir den Fluch in Segen um, weil dich der HERR, dein Gott, liebhatte.“ (5.Mose 23,6) Wie tröstlich! Dies macht Mut, im Vertrauen auf Gottes Güte und Vergebung notwendige Entscheidungen zu treffen und dann mit Frieden im Herzen nachts zu schlafen.
Bernd und Alexandra Hildner:Sie führen als Ehepaar unter dem Namen „psychologos“ (
www.psychologos.de) eine eigene Praxis für Psychotherapie (HPG) und christliche Seelsorge. Sie sind darüber hinaus als Vortragsreferenten, Seminarleiter und Supervisoren im In- und Ausland tätig.