Begabt – das sind die anderen
Ausgabe Juni/ Juli 2012 - Marcus Dresel, Puschendorf
Mitarbeit ist nichts für mich. Ich kann nichts besonders gut“, sagt eine Frau im besten Alter und zuckt resigniert mit den Schultern. „Ich kann nicht gut reden, singen, ich bin noch nicht mal besonders mutig, wenn es darum geht, von meinem Glauben zu erzählen.“
Jugendliche frage ich häufig nach ihren Stärken. Dann folgt oft erst einmal verlegenes Schweigen. Andere sind überzeugt: „Jeder Christ ist begabt.“ Was stimmt denn nun? Und wie kann ich Gaben entdecken ohne einen der frommen Psychotests durchzuarbeiten? Und was ist, wenn ich Gaben entdecke? Motte ich sie dann ein in einer Luxusvitrine bei den Pokalen und Medaillen ein – oder geht es dann erst richtig los?
Ich bin doch nicht begabt?
Im 1. Petrusbrief 4,10 gibt es etwas Ermutigendes zu entdecken: „Dient einander – jeder mit der Gabe, die er erhalten hat. So erweist ihr euch als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes.“ Hier wird davon ausgegangen, dass jeder eine Gabe erhalten hat. Alle Menschen sind begabt, auch wenn manche hartnäckig behaupten vom Schöpfer nicht ausreichend bedacht worden zu sein. Das hat oft mehr mit dem persönlichen Lebenslaufs zu tun, dass man von anderen immer wieder signalisiert bekam, nicht zu genügen. Oder dass vor lauter Schielen auf die Gaben anderer die eigenen Gaben gar nicht in den Blick geraten und man diese völlig unterentwickelt vergammeln lässt. Ich muss auch nicht das tun, was andere von mir erwarten, was mir jedoch am allerschlechtesten liegt. Mancher hat vielleicht eine Begabung, die aber im eigenen frommen Club scheinbar nicht gebraucht wird. In 1. Kor. 12,12-21 wird deutlich, dass keine Gaben wichtiger sind als andere. Egal ob sie schillert wie ein Diamant oder weniger spektakulär ist. Jede Gabe ist wichtig. Jeder Mensch wird von Gott mit mindestens einer Gabe beschenkt, sobald er Christ wird. In Epheser 4, 1. Kor. 12 und Römer 12 gibt es eine bunte Palette an Gaben. Doch es gibt sicher noch mehr, als da aufgezählt sind.
Die Gaben sind auch nicht zur Deckung des Eigenbedarfs ausgeteilt worden. Zum Einwecken, Dörren und Schockfrosten für schlechte Zeiten. Sondern sie sind zum Dienen gedacht. Sie sollen zum Einsatz kommen, damit Menschen Gottes Liebe konkret erfahren. Und nur im Einsatz werden aus Fähigkeiten auch Fertigkeiten. Viele Personen, die wir bewundern, haben für ihre heutige Fähigkeiten viel trainiert. Auch Gottes Gaben müssen nach dem Auspacken eingesetzt werden, damit sie wachsen.
Und selbst unsere „natürlichen“ Gaben möchte er für sein Reich einsetzen. Heimwerker, Strickköniginnen, Dekofreaks, Männer fürs Grobe, Künstler aller Schattierungen, ihr werdet gebraucht. Ihr Stillen, Leute mit dem Gespür für Stimmungen, die ihr gerne Gäste einladet oder es liebt, einen Grünstreifen in ein Biotop zu verwandeln, ihr seid im Boot! Alle unsere Gaben sind bei Gott im Rennen.
Ganz nah an unseren Gaben liegt auch unsere Aufgabe. Interessant ist, dass bei unseren Gaben auch gleichzeitig unsere Grenzen liegen. Es stimmt nicht, dass jeder alles kann, wenn er sich nur genug anstrengt. Zur Ergänzung haben wir Menschen mit anderen Gaben in unserem Umfeld. Deshalb kann ich lernen, die eigenen Grenzen zu bejahen und mich stattdessen mit den eigenen Gaben in Gottes Reich einzubringen. Und mich an den Begabungen anderer zu freuen, statt nur zu jammern, dass ich nicht so begabt bin. Hier sind noch ein paar konkrete Tipps, um die eigenen Gaben zu entdecken:
- Informiere dich!
Bitte Gott, dir deine Gabe klar zu zeigen. Frag Menschen, die dich gut kennen und denen du vertrauen kannst, welche Gaben sie in dir entdecken. Lies in der Bibel und andern Bücher nach und frag andere Christen nach ihren Gaben während du zusiehst, wie sie die einsetzen. - Probier mal was Neues aus!
Sag nicht so schnell „ich kann das nicht.“ (Die erste Geschichte, die ich in einer Kinderstunde erzählte dauerte mit Auslegung ca. 2 Minuten. Heute liebe ich es Geschichten zu erzählen.) - Was liegt dir?
Was macht dir Freude? - Was kommt beim Ausprobieren raus?
Wächst etwas Neues? Wird es etwas? 5. Wird deine Gabe durch andere bestätigt? Was sagen andere, die dich gut kennen? Und wo ermutigen sie dich, etwas lieber zu lassen?
Marcus Dresel, Puschendorf




