Erntedank

Ausgabe Oktober / November 2016 -  Clemens Haag, Ulsenheim, LKG Uffenheim

Mein Name ist Clemens Haag, ich bin 42 Jahre alt, bin verheiratet mit Mirjam und wir sind Eltern von Silas (13), Linus (11) und Joel (7). Wie schon mein Vater und Großvater leite ich unseren landwirtschaftlichen Betrieb in Ulsenheim im Vollerwerb.

DANKBARKEIT – das sollte eigentlich die Grundeinstellung von Christen gegenüber ihrem Schöpfer sein. Dankbarkeit auch in den kleinen Dingen! Warum fällt uns das oft so schwer?

Grund zum Klagen?
In der Agrarpolitik entscheiden viele verschiedene Politiker – leider nicht unbedingt Praktiker, da haben wir Landwirte immer wieder Grund zu klagen:

 

  • über Politiker, die nicht das Wohl unserer Familienbetriebe im Blick haben, sondern eher darauf schauen, ob sie mit bestimmten Maßnahmen Wählerstimmen bekommen können, über Preise für unsere Erzeugnisse, die es uns oft kaum ermöglichen, ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften,
  • über ein Land, dem eher die Interessen der z.B. Autoindustrie wichtig sind - unsere Interessen sind da oft von geringer Bedeutung,
  • über eine Gesellschaft, der ein großartiges Freizeitangebot wichtiger ist, als für qualitative Lebensmittel aus Deutschland Geld auszugeben,
  • und immer öfter auch über Mitbürger, die für Geruchs- oder Geräuschprobleme kein Verständnis haben, da dies ihr „Recht“ auf eine geruhsame Freizeit beeinträchtigt.

Und ja – auch ich schaue besorgt in die Zukunft, weil ich nicht ahnen kann, was die Politik der EU uns Landwirten in den nächsten Jahren noch alles so auferlegen wird, wohin uns unsere Abhängigkeit von Fördermitteln und damit einhergehend auch von strengen Kontrollen und einem enormen Dokumentationsaufwand führen wird. Ich weiß nicht, welche Auswirkungen der Klimawandel ganz konkret auf unsere mittelfränkische Landwirtschaft in den nächsten Jahren haben wird, oder ob genau unsere Region vor Unwettern etc. verschont bleibt.

Nicht nur zu Erntedank

Und trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) will ich meinem großen Gott danken – und das nicht nur zu Erntedank! Auch wenn die Aussichten trüb sind und vieles falsch zu laufen scheint, so weiß ich ganz sicher, dass Gott alles in seiner guten Hand hat. ER hat uns schon so oft gezeigt, wie es betrieblich für uns weitergehen kann, ER hat es uns bisher geschenkt, dass wir von unserem Betrieb gut leben können und auch anderen davon abgeben dürfen. Somit kann ich auch die Zukunft getrost IHM anbefehlen. ER weiß, was für uns richtig ist!

Wer mich kennt, weiß, dass ich grundsätzlich eine positive Einstellung zu meinem Beruf habe. Für mich ist es ein großer Vorteil, dass ich als Landwirt/Unternehmer mein eigener Chef bin. So kann immer wieder ehrenamtliche Dienste (für unsere LKG, die Gideons...) in meinen Tagesablauf einbauen. Die Freude an meinem Beruf ist für mich auch ein Geschenk unseres Vaters im Himmel, und ich darf mich privat und beruflich von IHM geführt wissen. Was für ein Vorrecht! Ich denke, ich muss mich – wir müssen uns alle – immer wieder fragen: Worin ist unsere Dankbarkeit begründet? Ist es ein oberflächliches „Uns-geht ́s- soweit-recht-gut-Danke-Gott?“ Oder habe ich die tiefe Gewissheit, dass alles was ich tue mit Worten und mit Werken, im Namen des Herrn Jesus geschehen soll, und ich ihm auch dafür danken möchte (Kol. 3, 17). Auch meine Arbeit, meine Zukunft.... Oder geht mein Dank noch tiefer, wie es Psalm 52, 11 ausdrückt: „Ich danke dir, Herr, in Ewigkeit; denn du hast das alles vollbracht.“ Alles - d.h. ER hat mein Leben errettet, ER ist für meine Sünde und Schuld gestorben, ER gibt meinem Leben Sinn und für IHN will ich mein Leben leben, auch und gerade als Landwirt. Und wenn das die Grundlage meines Lebens ist, dann kann ich gar nicht anders, als dankbar zu sein!