Kreatief! Kreahoch! Kreaweit

Ausgabe Dezember 2011/ Januar 2012 - Carola L’hoest, Praxisdozentin am Gnadauer Theologischen Seminar Falkenberg/ Mark

Natürlich weiß ich, dass man „kreativ“ nicht so schreibt wie in der Überschrift. Aber wenn es um Kreativität geht, muss es ja auch kreativ sein.

„Als Gott die Kreativität verteilte, hast du gleich zweimal „hier“ gerufen!“ sagte mir mal jemand. Naja, das ist wohl doch etwas übertrieben, denn soooo kreativ bin ich gar nicht. Aber ich habe gelernt, Ideen zu entwickeln.

Kreativität kann man nicht lernen, weil man sie bereits hat. So einfach ist das.

Bei einem Vortrag vor Frauen passierte Folgendes: Es muss wohl Geist gewirkte Kreativität gewesen sein, es stand nämlich nicht in meinem Skript, als ich sagte: „Viele Menschen sagen, sie sind nicht kreativ. Aber das stimmt nicht. Ich bewundere z.B. jede Hausfrau, die eine Suppe kochen kann, denn dafür muss man kreativ sein. Ich bin nicht gut im Suppe kochen!“ Die Frauen kommentierten es mit Gelächter. Aber ihre absolute Kreativität zeigten sie, als sie mir am Ende einen Präsentkorb mit Tütensuppen überreichten!

Kreativität ist mehr als Bilder malen und musizieren.

Jeder Satz, den wir sprechen, wie wir uns kleiden, wie unsere Wohnung eingerichtet ist, hat mit Kreativität zu tun. Dass wir kreativ sind, kommt von unserem „Kreator“. Weil wir Gottes Geschöpfe sind, sind wir schöpferisch. Seine Art ist unsere Art. Wir können gar nicht anders als kreativ sein.

Kreatief bedeutet, dass ich mein irdisches Leben schöpferisch gestalten kann. Dabei ist klar, dass man unter Druck keine neuen Ideen entwickeln kann. Unter Druck kann man nur das hervorholen, was man bereits kann. Aber meistens bemerken wir das nicht und denken, dass wir eine ganz neue Idee hatten. Wirklich schöpferisch ist man in der Entspannung. Oder wie kommt es, dass manche Menschen die besten Ideen auf dem Klo haben? Zugegeben, das scheint ein etwas profaner Gedanke zu sein, hat aber durchaus etwas damit zu tun. Ich bekomme im Urlaub manchmal diese ganz neuen Ideen.

Kreahoch bedeutet, dass Gott kreativ ohne Ende ist! Schauen Sie sich nur einmal seine Schöpfung an. Vom rein wirtschaftlichen Gedanken her müsste man sagen: Verschwendung! Aber Gott hat tief ins Farbtöpfchen gegriffen, als er die Fische schuf, die in den ganz großen Tiefen des Meeres leben. Welche Farbenpracht! Leider sehen wir sie gar nicht. Aber er selbst hat Freude daran. Oder die Vielfalt der Menschen. Weiße, schwarze, braune, rote, gelbe, grüne (ach nein, die grünen Männchen kommen ja vom Mars) Menschen. Und jedes Gesicht sieht anders aus. Er hätte uns auch alle einheitlich schaffen können.

Kreaweit bedeutet, dass ich mein Leben selbst so knallbunt und vielfältig gestalten kann. Wir müssen sogar kreativ sein, um leben zu können. Ich gehe davon aus, dass es für die meisten Alltagsprobleme kreative Lösungen gibt. Es gibt sogar für Gemeindeprobleme kreative Lösungen. Aber manchmal brauchen wir Zeit, um eine kreative Idee zu finden. „Man kann ja doof sein, man muss sich nur zu helfen wissen!“ sagte mir eine alte Dame lachend, die im Rollstuhl saß. Sie kam nicht an die Türklinke heran. So hat sie einfach eine lange Schnur an die Klinke gebunden, die sie spannte und damit die Tür alleine öffnen konnte. Simpel aber einfach nur genial! Kann man Kreativität trainieren? Ja, man kann! Nehmen Sie sich Zeit und stellen Sie sich völlig verrückte Fragen, die sie dann in Ruhe beantworten Hier einige Beispiele: Wie hört sich die Farbe Grün an? Worüber unterhalten sich Vögel beim Sonnenuntergang? Wie riecht Freude? Wie schmeckt Zufriedenheit? Oder machen Sie einmal etwas Ungewöhnliches: „Komponieren“ Sie einen Salat ohne Kochbuch, bauen Sie eine Skulptur aus Müll, schreiben Sie ein Gedicht.

Ich selbst bin vor einiger Zeit auf 11chen gestoßen: Kurze Gedichte aus 11 Worten (in jeder Zeile ein Wort mehr). Hier ist mein Kreativ- 11chen:

Menschen
Bunte Tupfer!
Sprudelnd durch Jesus
Töne malen, Bilder hören
Kreat(iv)ur

Carola L’hoest, Praxisdozentin am Gnadauer Theologischen Seminar Falkenberg/Mark