Leben ist kostbar

Ausgabe Februar / März 2016 - Hermann Mühlich, Bezirksdelegierter der LKG Würzburg und Vorsitzender des ALfA-Regionalverbandes Würzburg

Den Wert von etwas begreifen wir am besten, wenn wir es vermissen. Manchmal begreifen wir die Bedeutung einer Person erst, wenn sie nicht mehr da ist, sei es durch einen Umzug, einen Wechsel der Arbeit oder gar den Tod.

Kinderwunsch – Wunschkinder?
Kinder sind für die, die sie haben oft eine Selbstverständlichkeit. Christen wissen natürlich, dass sie eine Gabe Gottes sind (Ps 127,3), wie wenig man diese Gabe erzwingen kann, wissen vor allem die, die keine Kinder haben können. Vieles nehmen Paare auf sich um einen Kinderwunsch zu erfüllen. Auch in der Bibel wird die Größe des Geschenkes eines Kindes besonders durch das Verhalten derjenigen deutlich, die dieses Geschenk zunächst nicht erhalten haben. Sei es Abraham, der nach langem Warten erst mit hundert Jahren Vater wird (1Mose 17-21), sei es Hanna, die erst unfruchtbar ist und dann Samuel gebiert (1Sam 1) oder Elisabeth und Zacharias, die in hohem Alter Johannes den Täufer als Kind bekamen (Lk 1). Von Johannes dem Täufer lesen wir, dass er schon als Embryo mit dem Heiligen Geist erfüllt war (Lk 1,15) und dabei Jesus im Mutterleib lobte (Lk 1,39-45). Eine Beschreibung, die zeigt, dass Ungeborene vollwertige Menschen sind und keine Zellklumpen. Und dass kleinste Kinder glauben können.

Abtreibung – die einzige Alternative?
Heute wird in unserem Land die Freude über das Leben, auch über das werdende Leben getrübt. Durch eine freizügige Sexualpraxis werden Kinder in Situationen gezeugt, in denen niemand auf Nachwuchs vorbereitet ist und sich manchmal Väter und Großeltern gegen das Kind wenden. Ansprüche an die eigene Elternschaft, wie: ich will für jedes Kind ein eigenes Zimmer, lassen Kinder als nicht erschwinglich erscheinen, Kinder durchkreuzen die eigenen beruflichen und finanziellen Planungen oder medizinische Untersuchungen legen die Erwartung nahe, dass das Kind nicht gesund ist. Viele dieser Probleme sind für sich genommen schon schwierig, noch schwerwiegender werden sie, wenn einen die Menschen auf die man sich stützen möchte, wie Väter oder Großeltern nicht bestärken ein Kind zu gebären, sondern eine Abtreibung als die einfachere Lösung ansehen oder staatliche Stellen eine Frau unter Druck setzen. So etwas ist in den letzten Jahrzehnten häufig geworden. Das Entsetzen darüber hat mich vor über 20 Jahren dazu bewogen der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA / www.alfa-ev.de) beizutreten, einer überkonfessionellen Bürgerinitiative, die dieser Entwicklung gegensteuern möchte und dafür wirbt, das Leben wert zu schätzen, sei es ganz am Anfang, während der Schwangerschaft oder sei es am Ende, wenn Menschen durch Alter und Krankheit Einschränkungen hinnehmen müssen. Ich habe mich so entschieden, weil ich der Ansicht bin, dass in dieser Frage eine Zusammenarbeit von Menschen verschiedener Konfessionen sinnvoll ist.

Ungeborenes Leben schützen
In der ALfA versuchen wir mit unseren begrenzten Möglichkeiten, das Ja zum Leben durch folgende Aktivitäten zu Stärken. Wir tun dies durch politische Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit und soziale Arbeit. Durch unsere politische Arbeit, möchten wir Menschen ermutigen sich für das Leben einzusetzen. Wir suchen deshalb bei Entscheidungen, wie der über die Präimplantationsdiagnostik oder über die rechtliche Regelung der Beihilfe zum Selbstmord den Kontakt zu Politikern und weisen darauf hin, dass auch ein Behinderter oder ein am Leben Verzweifelter unsere Unterstützung braucht und nicht seine Tötung. In den Zeitschriften Lebenszeichen und Lebensforum, wird von Beispielen berichtet, wo Frauen trotz widriger Umstände ihr Kind ausgetragen haben und sich über diese Entscheidung freuen. Man findet aber auch gute Artikel zu medizinischen, ethischen und rechtlichen Themen. Ein Teil unserer Öffentlichkeitsarbeit besteht auch im Bereitstellen von anderen Materialien, wie unserer Schulmappe, die von Lehrern in weiterführenden Schulen als ergänzendes Unterrichtsmaterial genutzt werden kann.

Ein wichtiger Teil unserer Öffentlichkeitsarbeit sind auch Info-Stände und die Mitarbeit bei dem Marsch für das Leben (www.marsch-fuer-das-leben.de ) einer Demonstration in der verschiedene Lebensrechtsgruppen darauf aufmerksam machen, wie wertvoll das menschliche Leben ist. Die nächste Demonstration findet am 17. September 2016 in Berlin statt.

In Würzburg haben wir in den letzten Jahren ein Podiumsgespräch, einen Vortrag und eine Autorenlesung durchgeführt. Nach dem Vorbild des Logos der Gegner der Sklaverei, das 1787 von Josiah Wedgwood entworfen wurde, hat der Bundesverband Lebensrecht (zu dem die ALfA gehört) das Logo Ich bin Mensch eingeführt (www.ich-bin-mensch.de ). Es ist das Ziel Privatpersonen, Organisationen und Firmen zu gewinnen, die dieses Logo z.B. auf ihren Produkten verwenden um dafür zu werben, dass auch Ungeborene, Alte und Kranke Menschen sind und Anspruch auf Liebe und Zuwendung haben. Es ist uns außerdem wichtig Menschen auch konkret zu helfen. Es gibt ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, die in Foren und in sozialen Netzwerken Kontakt zu Schwangeren in Notsituationen suchen und vor allem das Beratungsangebot von VitaL (www.vita-l.de), einer Hotline mit der Telefonnummer 0800 36 999 63 unter der 24 Stunden am Tag Beraterinnen zur Verfügung stehen, die Schwangere und ihre Angehörige ermutigen möchten. Über unsere Beratungsangebote werden wir auch als Regionalverband immer wieder kontaktiert und um Hilfe gebeten. Die ALfA hat auch ein Patenschaftsprogramm durch das Mütter finanziell und persönlich unterstützt werden. Begrenzt wird unsere Arbeit nur durch unsere personellen und finanziellen Möglichkeiten.