Sabine Ball - Viel bekommen - viel gegeben

Ausgabe Oktober / November 2016 -  Text mit freundlicher Genehmigung der Sabine-Ball-Stiftung und des Brunnen-Verlages, Gießen, aus dessen 2005 erschienenen Buch: "Frauen verändern diese Welt" von Elke Werner zitiert wird.

Eine wechselvolle Lebensgeschichte
Die Welt der Sabine Ball hat sich im Laufe ihres Lebens mehrmals grundlegend verändert. Geboren und aufgewachsen ist sie in Königsberg. Dort erlebte sie als junge Frau die Schrecken des Krieges.

Gleich 1949 ergriff sie ihre Chance und wanderte nach Amerika aus. Ihr Ziel: einen wohlhabenden Mann zu heiraten und dem Elend in einem vom Krieg zerstörten Land zu entkommen. „Auf Einladung meiner amerikanischen Tante, die für mich bürgte, bin ich 1949 in die Staaten ausgewandert. Meine damaligen Ziele, Hoffnungen und Träume waren hauptsächlich weltliche Erfolge, materielle Dinge, die mir während des Krieges versagt worden waren. Mit meinem guten Aussehen, dessen ich mir auch sehr bewusst war, fiel es mir nicht schwer, die Aufmerksamkeit der Herren auf mich zu ziehen.“

Sie machte eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und wurde kurz darauf Chefin eines Yachtclubs in Miami Beach, Florida. Der „Traummann“ ließ nicht lange auf sich warten. Sie heiratete einen Millionär und lernte an seiner Seite das Leben mit allem Luxus und Überfluss kennen. Doch auch dieses Leben hatte seine Schattenseiten. Ihr Mann war Alkoholiker und wollte keine Hilfe zur Änderung annehmen. Sabine beschloss, mit den beiden Kindern ihren Mann zu verlassen und in Kalifornien ein neues Leben zu beginnen. Die Scheidung wurde 1963 rechtskräftig. Sabine suchte Anschluss an die Künstler- und Intellektuellenszene. Doch auch dort wurde sie enttäuscht. „Ich suchte nach einem Fundament für mein Leben, nach Wahrheit, landete aber immer wieder im Strom weltlicher Einflüsse.“

Wieder versuchte sie, durch einen Wechsel einen neuen Anfang zu machen. Sie kaufte ein Stück Land mit Scheune in Mendecino, Kalifornien und lud Hippies und Drogenabhängige ein, dort mit ihr zu leben. Ihr Ziel war es, den jungen Leuten zu helfen, von Drogen wegzukommen. Sie wurde zur Hippie-Mutter. Selbst noch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ging sie für sechs Monate nach Nepal in ein buddhistisches Kloster. Sie kehrte von dort gestärkt in ihrer Meinung zurück, dass es keinen Gott gäbe. Doch Gott hatte viel mit ihr vor und schickte einen jungen Mann namens Tommy zu ihr, der ihr mehrere Tage das Evangelium erklärte. Zuerst war sie total ablehnend. Doch schließlich kapitulierte sie vor Gott und gab ihr Leben Jesus.

Das war 1972. Die ganze Kommune wurde dadurch verändert. Viele wurden ebenfalls Christen. Die Farm wurde in »The Lord’s Land« (Land des Herrn) umbenannt. Viele hunderte Jugendliche kamen auf die Farm, wurden Christen und änderten ihr Leben.

Ein neuer Auftrag
Doch das war nicht alles, was Gott mit Sabine Ball vorhatte. Viele Jahre später erhielt sie einen neuen, sehr schwierigen Auftrag. Bei einem Besuch in Dresden ging sie zum ersten Mal durch die Neustadt. Geschockt und traurig über die Schmierereien an den Wänden wurde ihr klar, dass die Jugendlichen, die so aggressive und negative Dinge schreiben, nach Hilfe rufen. Sie war tief bewegt. „Da auf der Straße sprach Gott zu meinem Gewissen: ,Ich schick dich hierher!‘ Aber mein ganzes Empfinden war dagegen. ,Ich will nicht hierhin!‘“ So ehrlich berichtet sie von der Berufung in ihre neue Aufgabe. Sie wollte nicht gehen. Doch Gott machte ihr klar, dass sie nicht allein gehen müsse – da er in ihr lebt, geht er mit ihr. Sie würde nicht allein vor den großen Herausforderungen stehen. Sabine Ball war zu diesem Zeitpunkt 68 Jahre alt, ein Alter in dem viele nichts mehr verändern möchten und schon gar keine neuen Aufträge mehr von Gott erwarten. Sie hatte schon viel mit Gott erlebt und wusste, dass sie ihm vertrauen konnte. So eröffnet sie 1993 mit Hilfe einiger ehrenamtlicher Mitarbeiter und 3000 DM Kapital das »Café Stoffwechsel« in Dresden- Neustadt. Hier ist jeder willkommen. In den Räumen findet sich neben dem öffentlichen Wohnzimmer ein Secondhand-Kleiderladen. Der Treffpunkt für Kinder und Jugendliche zieht nicht wegen der hier ausliegenden Spiele und der Speisen so viele Straßenkinder an, sondern es sind Sabine und ihre Mitarbeiter mit ihren weit offenen Herzen. Für viele dieser Kids ist Sabine eine Mutter geworden. In einem Artikel der Hamburger Abendpost heißt es dazu: „Keine schöne Gegend, keine leichten Kinder.“ Für Sabine Ball ist ihr Dienst etwas ganz Normales.

Wenn Nachfolge das Wichtigste ist
„Über die Jahre hin hat Jesus mich total verändert. Er hat mir ein neues Leben gegeben. Es ist mein Auftrag, ihm zu dienen. So ist die Aufgabe, ihm zu folgen, leicht. Denn er ist es, der mich leitet, daher gehört auch alle Ehre ihm. Seit 1993 diene ich hier in Dresden vor allen Dingen der Jugend. Hier erleben wir viel Hoffnungs- und Ziellosigkeit, sowie teilweise kriminelle Veranlagungen. Viele sehen keinen Sinn mehr für ihr Leben. Sie sind gegen alle Regeln und Gesetze. Wir sehen sie mit Gottes Augen, für ihn und uns sind sie wertvoll und liebenswert. Wir sind beständig in dieser Liebe zu ihnen, auch wenn schon einige Fensterscheiben zerschlagen und wir mit rohen Eiern beworfen wurden. Wir verstehen, dass diese Kids mit dieser vollkommenen Liebe noch nicht umgehen können, wir werden sie aber nicht aufgeben. Mit dieser Beständigkeit sind wir ihnen Vorbild. Die tägliche Herausforderung ist der geistliche Kampf, in dem wir stehen. Aber wir wissen, dass Jesus Sieger ist und wir auf seiner Seite sind. Gott hat uns dort hingestellt, wo er selbst hingehen würde, nämlich zu den Sündern und den Armen. Durch ihre tiefen inneren Verletzungen haben die Kids kein Vertrauen mehr zu Menschen. Die Nöte der Kids bewegen uns. Wenige haben eine Chance, Gutes und Wertvolles für ihr Leben zu erfahren. Die meisten kennen ihren Vater nicht, einige wurden von den Freunden der Mutter misshandelt. Schlechte Einflüsse unserer Gesellschaft – Alkohol, Lügen und Drogen, Unmoral und Gewalt in Fernsehen und Zeitschriften, prägen sie. Nur durch Jesus habe ich Hoffnung, nur durch seine Berufung, bin ich überhaupt in Dresden.“

„Jesus kam als Diener in die Welt, und er ist mein Vorbild. Aus eigener Kraft kann ich das nicht erreichen. Die Liebe, Weisheit und Kraft erhalte ich von Gott, wenn ich mich von ihm leiten lasse, durch das Wort Gottes, die Bibel. Das ist sein Geheimnis für alle, die an Jesus glauben. Nach dieser Freiheit sucht jeder Mensch, doch oft in der falschen Richtung – in materiellen Dingen, Süchten, Alkohol, Drogen, sexueller Freiheit. Meine Energiequelle ist, dass ich diese Liebe Jesu hier weitergebe und somit erfahre, dass im Geben, also im Weitergeben dieser Liebe, der wahre Segen Gottes auf uns kommt. Diesen Segen möchte ich für nichts eintauschen.“

Sabine Ball war eine Frau, die viele Facetten des Lebens gesehen hat. Sie verstarb 2009 im Alter von 83 Jahren und das Zeugnis ihres Lebens steht dafür, dass der das Leben wirklich findet, der sein Leben für Jesus einsetzt. Ja, er wird es für immer gewinnen. (nach Matthäus 16,25) So bleibt für uns immer wieder die Frage, ob und wem das dient, was wir haben und tun.