Wachsen aus Überzeugung

Ausgabe Nr. 6, Dezember 05 / Januar 06 - Paul Ludwig Böcking

Geistliches und zahlenmäßiges Wachstum braucht Leute, die davon überzeugt sind. Nur Überzeugte überzeugen. Die Frage ist allerdings, wie wir unsere persönliche Überzeugungskraft, und das heißt unsere Motivation, behalten. Hier haben wir Probleme.

1. Nicht mehr vom Wachsen überzeugt?

Wir leben gern mit dem, was wir schon haben. Unsere Beziehungen zum Beispiel. Familie, Freundschaft, Verwandtschaft, Nachbarschaft. Da ist alles klar. Man kennt sich. Dies und jenes Sonntagsmenü liebt der Opa. Bei diesem und jenem Thema reagiert Tante Lisa sauer. Wir glauben an Jesus, sagt der Vater. Und die Nachbarn glauben leider an den „guten Stern auf allen Straßen“. So ist das halt. Und das alles im Gleichgewicht der Beziehungen halten und pflegen, kostet Zeit. Viel Zeit. Aber wachsen, neue, andere Menschen gewinnen und vor allem verstehen – da reicht die Kraft echt nicht mehr. Bitte nicht noch zusätzlichen Beziehungsstress!

Oder unsere Beschäftigungen. Beruf, Haushalt, Familie, Gemeinde, Freizeit. Es ist alles nötig und wichtig und biblisch richtig. Die harte Arbeit im Job und zu Hause. Informiert sein, was gerade an neuen Steuergesetzen und Sonderangeboten und Computerprogrammen läuft. In der Gemeinschaftsstunde und im Bibeltreff da sein und auch mitmachen. Da muss man auch mal abschalten und ein bisschen nur tun, was einem gefällt. Bitte nicht noch neue Beschäftigungen anfangen müssen mit neuen, fremden Leuten. Bitte nicht!

Und überhaupt. So manche Evangelisation ist bei uns schon gelaufen. Wir haben uns reingehängt und super Programme gemacht. Und diesen und jenen Leuten sind wir nachgegangen und haben eingeladen. Und wir laden weiter ein. Aber wie mickrig sind oft die Ergebnisse. Wie wenig Erfolg ist unseren Anstrengungen beschieden. Stille Resignation macht sich breit. Und noch stiller machen wir dann unsere scheinbar sicheren, eingespielten Beziehungen und Beschäftigungen zum Selbstzweck. Da hängen wir uns rein. Da kommen wir offenbar leichter und besser auf unsere Kosten.

Nur – unser Glaube verliert gleichzeitig seine Strahlkraft. Es geht nichts Neues mehr. Wir ziehen keine Leute mehr an. Die Begeisterung für Jesus, die „erste Liebe“ nimmt stetig ab. Unsere Überzeugungskraft geht verloren. Wir haben uns arrangiert. Wir haben noch Recht. Aber wir bewegen nichts mehr. Wir wachsen nicht mehr. Wir schwächeln. Wie bleiben wir Wachstums- Überzeugte? Wie erhalten wir uns unsere Motivation zum Wachsen zu Jesus und zu den Menschen?

2. Gott motiviert: Sein Reich wächst

Vor all unserer Motivation und all unseren Bemühungen stehen Gottes Mission und Gottes Bemühungen. Gott will seine Menschen retten und bei sich haben. Deshalb dringt er mit seinem Reich ein in die verlorene Welt. Er kommt mit seinem König: Jesus. „Die Herrschaft Gottes ist nahe herbeigekommen. Kehrt um.“ Mk.1,15. Das ist Anfang und Ende und Inhalt und alles, was in Jesus da ist: Gottes Reich. Und dieses Reich wächst und wächst und wächst. Das ist unwiderstehlich. Das sagen z.B. die Gleichnisse Jesu. Die selbstwachsende Saat, das Senfkorn, der Sauerteig, der Sämann, das Unkraut unter dem Weizen, das große Abendmahl, die Gleichnisse vom Verlorenen, die anvertrauten Pfunde usw.. Alles, was passiert, muss diesem einen Ziel dienen: Jesus kommt sichtbar wieder, und dafür rettet er jetzt Menschen, die in einer neuen Schöpfung ihm dienen. Gott will das Wachstum seiner Gemeinde. Dafür sorgt er. Pausenlos. Weltweit ist klar zu sehen, wie seine Gemeinde wächst. Das überzeugt, das motiviert.

Wer also jetzt Menschen wirklich helfen und für Gottes Reich gewinnen will, macht das Sinnvollste, was es überhaupt zu tun gibt. Er tut nur das, was Gott sowieso schon die ganze Zeit macht. Wer also Menschen wirklich helfen und für Gottes Reich gewinnen will, macht nichts Unmögliches. Gott ist längst genau damit beschäftigt. Gott hilft uns. Gott gibt jedem von uns Chancen. Es gibt keinen Grund zum stillen Abschied von Gottes Wachstums-Mission. Zu diskutieren ist nur, ob wir das bisher Erreichte, unsere stehenden Beziehungen und Beschäftigungen, vielleicht überbewerten. Ob da nicht mal neue Zeiteinteilungen oder neue Wege zu Menschen angebracht sind? Zu diskutieren ist nur, ob wir Gott auf seinem Weg zu neuen Menschen vielleicht etwasbremsen. Zum Beispiel durch Unfreundlichkeit oder verweigerte Hilfe oder Selbstdarstellung oder Selbstgenügsamkeit oder Schweigen oder Überforderung. Gottes Reich wächst. Es ist motivierend, dabei zu sein.

3. Jesus motiviert: Er gibt Erfüllung

Jesus überzeugt mit seinem Leben für uns. Vom ersten bis zum letzten Atemzug seines Lebens verfolgt er das eine Thema: seinen himmlischen Vater ehren und uns Menschen im Letzten und Tiefsten helfen. Im Matthäus-Evangelium beschreiben das z.B. die sogenannten Älthon(griechisch: ich bin gekommen)- Sprüche:

  • Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen. Mt.5,17
  • Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten. Mt.9,13.
  • Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Mt.10,34
  • Des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen, was verloren ist. Mt.18,10.
  • Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, sich dienen zu lassen, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer
    Erlösung für viele. Mt.20,28.

Oder wir kennen alle die Ich-bin-Worte des Johannes-Evangeliums. Jesus sagt: Ich bin das Brot des Lebens, das Licht der Welt, der gute Hirte, die Auferstehung und das Leben usw..Immer zeigt uns Jesus, worauf es zutiefst und eigentlich im Leben ankommt. Genau das finden wir bei ihm. Bei ihm allein. Orientierende Maßstäbe. Tatsächliche Überwindung von Schuld und Versagen. Herausfordernde Entscheidungen. Vollkommene Gemeinschaft mit Gott. Hilfe und Schutz. Ewiges Leben. Alles Dinge und Wirklichkeiten, die niemand in sich selbst hat. Alles nicht von Menschen machbar. Alles über uns selbst hinaus. Und genau deshalb so grundlegend wichtig. So unersetzlich. Alles das, was unserer Bestimmung als Menschen entspricht. In der Hingabe an Jesus erfüllt es sich: Die Beziehung, die krisenfester ist als jede andere; die Betätigung, die allen Einsatz lohnt; wonach wir uns bewusst und unbewusst sehnen. Jesus gewinnt uns das Herz ab. Wir können nicht anders, als ihn liebend und einfühlend anderen Menschen zu empfehlen. Die Leute müssen wissen, was ihnen Jesus gibt und was der große Mangel und die Verlorenheit ihres Lebens ist. Wir werden nicht müde. Wir bleiben dauerhaft auf Wachstum eingestellt. Durch Jesus.