Warum wir geistliche Väter und Mütter brauchen!

Ausgabe Dezember 2016 / Januar 2017  -  Markus Dresel, Burgthann - Schwarzenbach

Ohne Väter und Mütter läuft nichts. Kinder fallen nicht vom Himmel. Sie schießen nicht wie Pilze aus dem Boden. Was wären die Jünger ohne Jesus, was wäre Josua ohne Mose, oder Elisa ohne Elia? Alle lernten viel durch ihre Vorbilder. Genau das, was sie später brauchten.

Auch heute sehnen sich junge Menschen nach Persönlichkeiten, an denen sie sich orientieren können. Gerade in unsicheren Zeiten. Wenn „alte Hasen“ ihr Wissen nicht weiter geben, nehmen sie sich selbst die Chance, hinterfragt zu wer- den und selbst zu wachsen. Dann schmoren sie schnell im eigenen Saft. Doch durch den engen Kontakt mit Jüngeren bleiben sie am Puls der Zeit und sprachfähig. Ohne geistliche Eltern reißen wertvolle Traditionen ab, die den Jungen helfen könnten, das Leben zu meistern. Und es wird schwer für sie, selbst in die Elternrolle zu schlüpfen. Ich bin Jesus sehr dankbar, dass ich Menschen hatte und habe, die mich begleitet haben. So lernte ich, wie sich Glaube im Alltag be- währt. Und wie man ihn weiter- gibt. Es ist ein Geschenk, dass meine biologischen Eltern auch meine ersten geistlichen Eltern waren. Sie hatten ein offenes Haus. Da kamen Teenager vor- bei, um abzuhängen oder um Fragen zu klären. Am Wochen- ende war das „Cafè Heidi“ ein Magnet, der zum Gottesdienst einlud. Mein Vater nahm Jugendliche mit zu Einsätzen, wo sie anfangs nur zuhörten und dann selbst durchstarten konnten. Am Leben meiner Eltern kann ich ablesen, warum wir geistliche Eltern brauchen:

1. Sie zeigen uns, wie lebendiges Christsein aussehen kann

Bibellesen und Gebet sind keine Luxusartikel, sondern hier wird Kraft und Orientierung gezapft für den Alltag. Ohne gelebte Beziehung zu Jesus wird’s eng. Dann kann ich nur wenig weitergeben. Meine Eltern konnte ich häufig beim Beten und Bibellesen beobachten. Aus diesem Reichtum schöpften sie Schätze für andere. „Wie hast du das nur immer geschafft, als immer so viele von uns bei euch waren?“, fragte mal eine Frau meine Mutter. Darauf antwortete sie nur: „Wenns zu viel war, bin ich kurz ins Bad zum Beten und dann gings wieder.“ Der Kontakt mit dem Vater im Himmel ist lebenswichtig. Auch im Gespräch mit Menschen.

2. Sie zeigen uns: Ich muss mich nicht verstellen

Gott schuf Dich als Original. Geistliche Kinder wollen Dich erleben und kein abgehobenes Hochglanzprogramm. Das hält sowieso keiner durch. Denn jeder hat Ecken und Kanten. Das ist kein Drama, sondern normal. Fehler sind erlaubt. Wir lernen ein Leben lang. Vorbild zu sein, heißt also nicht perfekt sein, sondern aus der Vergebung Gottes zu leben. Wenn ich erlebe, wie Vorbilder mit ihren Stärken und Schwächen umgehen, kann ich viel lernen. Dann fällt es auch leichter, sich zu öffnen.

3. Sie zeigen echtes Interesse

Sie zeigen das durch Blickkontakt und ungeteilte Aufmerksamkeit. Von Natur aus interessieren wir uns eher für uns selbst. Doch geistliche Kinder benötigen echtes Interesse, da- mit die Begleitung gelingt. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, formulierte es der jüdische Philosoph Martin Buber. Das haben meine Eltern immer gelebt. Sehr unterschiedlich, denn beide waren und sind Unikate. Wenige Monate vor ihrem Umzug in den Himmel antwortete meine Mutter auf die Frage, was ihr wichtig geworden sei: „Alles Wesentliche im Leben ist Begegnung. Das ist wichtiger als dass das Haus „tipptopp“ ist oder dass ich viel habe. Ich habe immer versucht, das so zu leben. Die größte Begegnung meines Lebens ist und bleibt Jesus. Das wollte ich meinen Kindern vermitteln, den Enkelkindern und den Menschen, die mir begegnen.“

4. Sie lieben mit Wort und Tat!
Jesus macht uns klar, was wirklich wichtig ist: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lie- ben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Lukas 10,27). Gelebte Liebe ist anziehend und macht nachdenklich. Sie schließt Worte, Taten, Geschenke, Zeit, ungeteilte Aufmerksamkeit, Berührungen ein. Aber immer geht es um das Wohl des Nächsten. Dann wahre ich auch seine Grenzen. Liebe hat nichts mit notorischem Kopfnicken zu tun. Sie sagt auch mal „Nein“. Aber so, dass der andere merkt: „Es geht um mich.“ Aus dieser Haltung heraus können geistliche Eltern Aufgaben übertragen und ihre geistlichen Kin- der bei der Ausführung begleiten. Es kann extrem beflügeln zu entdecken, dass einem eine erfahrene Person etwas zutraut. Ermutigung und Korrektur helfen dabei, zu wachsen. Gib dein Wissen dabei immer gut dosiert weiter.

5. Sie zeigen, wie man loslässt
Es sollte von Anfang an klar sein, dass es um eine Begleitung auf Zeit geht. Dann geht jeder wieder seinen eigenen Weg. Denn sonst besteht die Gefahr, Menschen von sich selbst abhängig zu machen, statt ihnen Jesus lieb zu machen.

Wie fange ich sowas an?

Es ist keine Frage des Alters, ob du für geistliche Elternschaft in Frage kommst. Du solltest einfach schon ein Stück weiter sein, als die Person, die du begleiten möchtest. Bitte Gott, dir eine konkrete Person zu zeigen, die Begleitung benötigen könnte. Bete für die Person und suche Kontakt. Du merkst sehr schnell, ob der Funke überspringt. Erkläre dann, worum es geht.

Was kommt dann?
Es ist hilfreich, über vier Bereiche zu sprechen: Wie sieht die Beziehung zu Gott aus, zu mir selbst, zu anderen Menschen und zum Rest der Welt? Wo entdecke ich Probleme, wo sollte was getan oder gelassen werden? Manchmal kann es helfen, die Situationen durchzuspielen: „Was wäre, wenn...? Was hindert mich, Erkanntes umzusetzen?“ Auf geht ́s!