Was braucht ein Leiter?

Ausgabe April / Mai 2016 - Martin Naser, Dombühl

Was braucht ein Leiter? Ich denke, darüber denkt jeder, der eine leitende Aufgabe hat, immer wieder mal nach. Denn es gibt Phasen, wo alles glatt läuft und Phasen, wo´s einfach eckt. Das sind dann ehesten die Momente, in denen man sich dann diese Frage stellt.

Jetzt braucht man nur noch Antworten, die einem weiterhelfen und wieder den nötigen Schwung und Zuversicht geben. So am Mitarbeitertag 2016 im Referat von Dominik Klenk.

„3 Dinge braucht der Mann“. Besser gesagt: „Leitung braucht 3 Komponenten.“

Zum einen die Eignung. Ein leitender Mitarbeiter muss grundsätzlich geeignet sein für eine Leitungsaufgabe. Er erlebt regelmäßig Macht und Ohnmacht. Deshalb braucht er einen klaren Blick für seine Aufgaben, viel Ruhe und Standfestigkeit. Denn es gibt nicht nur immer falsch und richtig, sondern es kann auch zwei Wege geben, die beide zum Ziel führen. Um diese Spannung auszuhalten, braucht er Vitamin B nach oben, eine aktive Leitung zu Gott. Um sich im Alleinsein und in der Einsamkeit wieder von Gott Stärkung und Klarheit schenken zu lassen.

Zum zweiten braucht der leitende Mitarbeiter Teamunterstützung. Denn einer allein kann den Karren nicht ziehen und Macht verändert auch. Sowohl in der Geschäftswelt als auch in der christlichen Welt. Macht kann sich verselbstständigen und zum Eigennutz werden. Deshalb braucht der Leiter Geschwister, die mit ihm gehen und ihn vor diesem möglichen Verändern bewahren. Im leitenden Mitarbeiter darf man zu allererst den Bruder sehen. Dies geschieht auf besondere Art und Weise im Abendmahl. Dort begegnen sich alle auf Augenhöhe als Bruder und Schwester.

Zum dritten braucht der leitende Mitarbeiter Amtsgnade. Wenige drängen sich für Leitungsfunktionen auf. Weit öfter meinen Mitarbeiter, dass sie nicht für Leitungsaufgaben geeignet sind. Oft erleben sie erst dann, wenn sie sich zur Verfügung stellen, dass man in sein Amt hineinwächst. Dass man mit Herausforderungen wachsen kann. Die Amtsgnade wird von Gott ausgeschüttet. Er befähigt Menschen für leitende Aufgaben. Mitglieder oder Mitarbeiter einer Gemeinschaft autorisieren den Leiter, in dem sie ihn in einer ordentlichen Wahl bestätigen. Durch Zuspruch und Segen wird er für seine Aufgabe ermutigt und gestärkt. Der Zuspruch erfolgt durch Mitglieder mit Zusagen aus der Bibel und dem Segen; dem Zuspruch, dass Gott mit ihm ist und er seine Stärke ist. Nun kommt das Hineinwachsen in das Amt. Ein Gespür zu entwickeln für den richtigen „Zeitpunkt“. Den richtigen Zeitpunkt für Gespräche, für Planungen, für Entscheidungen ...!

Wie erlebe ich das selbst? Erst jetzt, am letzten Februarsonntag begegnete ich bei uns im Gemeinschaftshaus zwei jungen Männern aus dem EC Kreis. Ich hatte einen kleinen Unfall und Rückenschmerzen. Spontan fragten sie, ob sie für mich beten dürfen. So standen wir Drei zusammen und sie beteten für mich. Sie baten um Hilfe für mich in meiner aktuellen Situation und dankten auch ausführlich für mich. Für meine Mitarbeit in der Gemeinschaft, mein Engagement, meine Art und meine Gaben. Ich war erstaunt, wie positiv sie mich sehen.

Dieses Zusammentreffen war mir ganz aktuell das, was ein leitender Mitarbeiter braucht. Sie haben mir in ihrem Danken so schön aufgezeigt, dass ich geeignet bin als Bezirksdelegierter. In diesem Moment waren wir ein Team. Auf einer Stufe. Wir gehören zusammen, in unserer Arbeit für Gott. Sie im Jugendbereich und ich im Erwachsenenbereich. Und sie haben Gott weiterhin um Befähigung und seinen Segen für mich gebeten. Ich habe durch die Beiden den Zuspruch neu erlebt, wie ich es in der Amtsgnade skizziert habe. Eine wunderbare, ungeplante Begegnung, mir zur Hilfe. Diese Begegnung ist mir eine große Hilfe und zugleich auch Auftrag. Sie haben mir deutlich gemacht, dass ich für bestimmte Aufgaben geeignet bin. Also gibt´s keine Ausreden – oder?

Was können wir daraus lernen? Nicht nur denken, ich könnte, ich möchte, ich sollte, sondern tun, tun, tun! Auch wenn wir vielleicht seit Jahrzehnten in unserer Gemeinschaft zusammen- leben. Und wir uns aneinander schon ein bisschen abgerieben haben. Dann sollten wir uns ein Herz fassen und dem anderen, der Schwester, dem Bruder solche Worte der Ermutigung und Stärkung zusagen. Hoffentlich erlebt es auch jeder selbst, dass andere es tun. In einer Werbung heißt es so schön. „Don´t be a maybe“. Das heißt wörtlich „sei kein Vielleicht“, übertragen: „Sei kein Ich-Könnte-Typ“.