Blickpunkt September / Oktober / November 2026 – Karl-Heinz Vanheiden, Gefell
Ohne Gottes Offenbarung wüssten wir absolut nichts von Gott. Deshalb hat er sich selbst direkt und indirekt den Menschen offenbart: in seiner Schöpfung durch seine Worte und Taten, besonders durch Jesus Christus. Und das alles ließ er im Lauf von 1500 Jahren von ausgewählten Menschen niederschreiben. Von dieser Art ist auch das letzte Buch der Bibel.
Es nennt sich eine Offenbarung, denn Jesus Christus enthüllt darin, was Gott ihm für seine Diener in den christlichen Gemeinden anvertraut hat. Sie sollen wissen, was bald geschehen muss. Also schickte Jesus seinem Diener Johannes einen auserwählten Engel, der ihm diese zukünftigen Dinge übermitteln sollte.
Wir kennen drei Personen mit Namen Johannes, die mit Jesus Christus zu tun hatten: Johannes den Täufer, Johannes Markus und den Apostel Johannes, der besonders eng mit Jesus verbunden war. Nach altkirchlicher Überlieferung besteht kein Zweifel, dass der letztgenannte die Offenbarung als Wort Gottes von Jesus Christus empfangen und niedergeschrieben hat.
Aber jetzt zu uns! Die Offenbarung beginnt und endet mit dem, was Jesus Christus allen sagen will, die das Buch lesen oder vorgelesen bekommen. Und alle, die das tun und beherzigen, was darin steht, sind glücklich zu preisen. Es sind prophetische Worte, die sich erfüllen werden. Und genau das wird noch einmal im letzten Kapitel wiederholt.
Gewisse Dinge müssen sogar „bald“ geschehen und Jesus selbst wird „bald“ wiederkommen. Beides wird im ersten und letzten Kapitel mehrfach bestätigt. Aber inzwischen sind fast zweitausend Jahre vergangen. Doch alles, was Johannes sah und hörte und niederschreiben sollte, war nicht nur für die Leser des 1. Jahrhunderts wichtig. Auch alle späteren Generationen von Christen müssen das wissen. Jesus will, dass wir uns jederzeit auf sein Wiederkommen einstellen und auch nicht durch sehr schwierige Zeiten verunsichern lassen.
Der erste Auftrag für Johannes waren Botschaften an sieben ausgewählte kleinasiatische Gemeinden, die er kannte. Diese Botschaften wurden ihm vielleicht sogar direkt von Jesus diktiert. Jede Empfängergemeinde und auch jeder zukünftige Leser lasen darin diesen Spruch: „Wer hören will, achte auf das, was der Geist den Gemeinden sagt!“ Jeder soll wissen, was Jesus an Gemeinden gefällt und was er tadelt. Das ist bis heute nicht anders.
Es war ein Sonntag, als Johannes das erste Mal direkt von Jesus angesprochen wurde. Aber so hatte er seinen Herrn Jesus Christus noch niemals im Leben gesehen: übermächtig, majestätisch, herrlich, furchterregend wie einer, dem alle Macht gegeben ist. „Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seine Füße. Aber er legte seine rechte Hand auf mich und sagte: ‚Hab keine Angst!‘“ (Offb 1,17) Das war dann wieder sein barmherziger Herr. Jesus wiederholte seinen Auftrag und erklärte Johannes einiges von dem, was er gerade gesehen hatte. Solche überirdischen Bilder würde er noch viele sehen und sollte sie mit seinen menschlichen Worten beschreiben.
Beginnen wir gleich damit, das ersten Kapitel der Offenbarung zu lesen und dazu Offb 22, 6-20. Damit hätten wir den Rahmen des ganzen Buches erfasst. Nur noch zwei Anmerkungen:
- Die Siebenzahl bedeutet in der Bibel so viel wie Ganzheit und Fülle. Die sieben Gemeinden stehen auch für die ganze christliche Gemeinschaft zu allen Zeiten und die sieben Geister Gottes vor dem Thron für die Fülle und Wirksamkeit des Heiligen Geistes in aller Welt.
- Etliche Anmerkungen wie in Offb 22,11 und 15 beschreiben nicht die künftige Heilszeit, sondern richten sich an uns Leser in dem Sinn: Du musst dich entscheiden, ob du dabei sein wirst! Das findet sich im gesamten Buch und noch sieben „Glücklich- oder Glückseliggpreisungen“. Es lohnt sich, diese zu entdecken!
Lesen wir dann einfach weiter: Zuerst, was den Gemeinden gesagt ist, dann vom Thron Gottes und seiner Anbetung und der Herrschaft des Lammes, also unseres Herrn (Offb 2-6). Johannes berichtet weiter von Geschehnissen im Himmel und deren Auswirkungen auf der Erde. In allem, was geschehen muss, wird Gottes Gerechtigkeit sichtbar, auch in Strafen und Katastrophen (Offb 7-18).
Wir als Leser dürfen uns diese vielen Bilder ruhig vorstellen, sollten aber nicht anfangen, sie zu deuten. Manchmal werden sie von Johannes selbst erklärt. Was wir nicht verstehen, überlesen wir einfach. Manches wird uns grausam vorkommen. Wenn Gott aber nicht den Bösen und alle, die ihm gefolgt sind, bestraft, kann kein Mensch an Gottes Gerechtigkeit glauben. Gott, der voller Liebe ist, ist auch absolut gerecht. Es ist wichtig, das zu verstehen. Wir müssen lernen, mit einzustimmen in das viermalige Halleluja der Offenbarung, die einzigen Vorkommen dieses Wortes im Neuen Testament (Offb 19,1-6).
Lesen wir also getrost weiter vom Jubel über den gerechten Richter, der Hochzeit des Lammes und Christus dem Sieger, der den furchtbaren Zorn des allmächtigen Gottes vollstreckt und dann das tausendjährige Friedensreich aufrichten wird. Es folgt das kurze Intermezzo mit den letzten Schandtaten des Teufels und dann das Weltgericht (Offb 19-20). Der hier erwähnte Feuerpfuhl ist ein anderer Begriff für die Hölle, von der Jesus ausdrücklich sagte, dass diese ursprünglich nur für den Teufel und seine Engel vorbereitet wurde (Mt 25,41).
Dann sah Johannes einen ganz neuen Himmel und eine völlig neuartige Erde. Gott wird bei den Menschen wohnen und sie alle werden seine Völker sein. Man beachte wieder die Worte an die Leser! Dazwischen die Beschreibung des neuen Jerusalem mit der Schönheit einer Braut und Dimensionen, die auf der heutigen Erde undenkbar sind. Vielleicht wird es das Zentrum einer neuen Himmel-Erde-Welt (Offb 20-21). Vieles in der Offenbarung bleibt unvorstellbar, entspricht auch nicht unserer zeitlichen Vorstellung. Doch ich bin überzeugt: Gott wird seine Neuschöpfung noch viel herrlicher und in faszinierender Schönheit gestalten als die Erde, in der wir heute leben und den Himmel, den wir heute vor Augen haben. Er wird uns keinesfalls enttäuschen.
