Blickpunkt September / Oktober / November 2025 – Daniel Haack, Bezirk Feuchtwangen
Jesus sagt in Johannes 14,6: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“
„Wir besitzen nicht die Wahrheit, sondern wir folgen ihr.“ Dieser Satz aus meinem Studium ist mir immer noch sehr gut im Gedächtnis geblieben. Er lädt dazu ein, sich auf den Weg zu machen, dieser Wahrheit zu folgen und zu entdecken, was das für meinen persönlichen Lebens- und Glaubensweg bedeutet.
Als Jesus seine ersten Jünger beruft, tut er das häufig mit dem Satz: „Folge mir nach!“ Schon allein dieser Satz macht deutlich, dass es in erster Linie nicht um die richtigen Gebote, Theologien, Dogmen oder Bekenntnisse geht, sondern um die Beziehung.
Um jemandem nachzufolgen, muss ich wissen, wohin diese Person geht, welche Wege sie einschlägt, in welchem Tempo und an welchen Orten sie unterwegs ist. Genau darum geht es in der christlichen Nachfolge.
Bekenntnisse und Dogmen können – und hier liegt die Betonung auf „können“ – gefährlich werden, da sie feststehende Begriffe sind und damit auch festgelegte Punkte in meinem Glaubensweg darstellen können.
Wenn wir diesem Bild des Weges treu bleiben, können solche Dinge gute Wegmarkierungen und Hilfen sein, die mir den richtigen Weg zeigen, mir die Vergewisserung geben, dass ich auf dem richtigen Pfad bin, und mir auch aufzeigen, wo es langgehen kann. Aber wir sollten nicht an solchen Punkten stehenbleiben.
Wenn Jesus sagt, dass er der Weg ist, dann ist der Weg auch das Ziel – oder besser gesagt: Der Weg führt zum Leben und zum Ziel.
Doch dazu bin ich herausgefordert, mich zu bewegen, um selbst auf diesem Weg zu sein und Jesus nachzufolgen.
Und ich bin dabei nicht allein unterwegs. Wir in unserem Bezirk, in unserem Verband, aber auch darüber hinaus folgen diesem Jesus – mit unserem Blick auf ihn, mit unserer Ausrüstung und in unserem Tempo.
Das mag manchmal anstrengend sein und ist an vielen Stellen herausfordernd, weil die andere Person so ganz anders unterwegs zu sein scheint. Doch ist es ein großes Privileg, diesen Weg nicht allein gehen zu müssen.
Wir folgen gemeinsam diesem Weg, dieser Wahrheit und diesem Leben.
Ich kann mich mit anderen Menschen austauschen. Vielleicht haben sie Orientierungspunkte wahrgenommen, die mir auch helfen, oder sie haben einen Blick, der mir gerade fehlt.
Wenn wir zusammen auf diesem Weg gehen und uns gegenseitig mitnehmen, können wir uns gegenseitig bestärken und auch mal aufhelfen.
Jede Person ist an anderen Punkten für sie wichtig. Deshalb sind Zuhören, der Wunsch nach Verstehen und das gegenseitige Erzählen Schlüssel für einen gemeinsamen Weg.
Glaube und Glaubenswege sind daher nicht beliebig, sondern alle führen hinter den einen Jesus her.
Es gibt nur den einen Glauben an den einen Jesus – aber dieser Glaube muss von Jesus selbst persönlich erlebt werden, was bei jedem anders aussehen kann.
Jesus ist hier sehr exklusiv und gleichzeitig stark inklusiv: Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
In Vers 7 heißt es weiter: „Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“
Wenn wir Jesus haben, dann haben wir alles Wesentliche bereits erreicht: Wir haben den Vater, Gott selbst, erkannt – nicht durch die richtigen Bücher, Theologien, Bekenntnisse oder Dogmen, sondern durch Jesus selbst und durch Jesus allein.
Er ist das Zentrum, ohne das nichts geht – und gleichzeitig brauchen wir für ein gutes Miteinander nichts weiter. Unser Name „Christen“ ist Ausdruck, Hoffnung und Verpflichtung zugleich.
Wir folgen Jesus, der die Wahrheit ist, auf dem Weg zu ihm. Deshalb können wir entspannter sein und müssen nicht glauben, alles richtig machen zu müssen.
Das ist sowohl entlastend als auch herausfordernd. Aber es ist ein lohnenswerter Weg, weil Jesus unterwegs ist.
