Blickpunkt März / April / Mai 2026 – Alexander Pauli, Hersbruck
Das Reich Gottes ist mitten unter euch (Lk 17,21). So der Titel dieses Blickpunktes. Es könnte als reines Ruhekissen missverstanden werden: „Schön, dass es schon da ist – das Reich Gottes.“ Doch es wird deutlich, dieses Reich bzw. diese Königsherrschaft Gottes ereignet sich dort, wo Gottes Wille getan wird (bspw. Lk 11,20) – zuerst von Jesus, dann aber auch durch uns. Darum ruft Jesus uns auf: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit (Mt 6,33). Zu trachten, heißt aktiv danach auf die Suche zu gehen, danach zu streben, vom Ideal zur Umsetzung zu kommen. Wenn wir wahrnehmen, dass in Mt 6 das Wort Gerechtigkeit auch am Anfang des Kapitels vorkommt „habt acht auf eure Gerechtigkeit“, sehen wir, dass die hier gemeinte Art von Gerechtigkeit eine tätige ist, die sich z.B. in Form von Almosen den Ärmsten zuwendet. Hier ist nicht von jener passiven Gerechtigkeit die Rede, die uns Gott durch den Glauben zugesteht (Röm 1,17 oder Phil 3,9). Hier geht es darum, dass unseren Mitmenschen durch unser Handeln Gerechtigkeit widerfährt.
Eine letzte biblische Passage möchte ich vorwegschicken: Mt 25,34-40 sagt Jesus durch welche Taten der Barmherzigkeit an unseren Mitmenschen wir auch ihm selbst etwas Gutes tun. Dabei werden verschiedene Notsituationen genannt: Hunger, Durst, Fremdheit, Nacktheit, Krankheit, Gefängnis. Jede Einzelne kann eine Katastrophe sein. Wo mehrere dieser Nöte zusammenkommen, erleben Menschen die sprichwörtliche Hölle auf Erden. Menschen, in Sklaverei, leiden unter vielen dieser Zumutungen gleichzeitig und manche von ihnen sogar unter allen und obendrauf kommt noch Gewalt. Ohne Hilfe haben sie so gut wie keine Chance.
Dass Menschen nicht nur nicht in Freiheit leben, sondern überdies ausgebeutet und gepeinigt werden, hat mich irgendwann einmal derart berührt, dass ich anfing danach zu trachten, genau ihnen irgendwie zu helfen. Doch wie kann ich einen Unterschied machen? Ich tue das seit fünf Jahren als Botschafter für IJM.
Zunächst möchte ich das Problem skizzieren. Denn viele halten Sklaverei für einen Begriff aus Geschichtsbüchern. Und tatsächlich ist es Gott sei Dank so, dass Sklaverei heute weltweit illegal ist. Nur illegal heißt leider nicht, dass sie nicht trotzdem stattfindet. Und bedauerlicherweise heißt es nicht einmal, dass sie nur noch selten stattfindet. Rund 50 Millionen Menschen leben heute in moderner Sklaverei: Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, Zwangsprostitution, sexuelle Ausbeutung von Kindern online, Zwangsbetrug, Menschenhandel, sowie Landraub und nicht endende Untersuchungshaften in manchen maroden Rechtssystemen.
Um die Menge von Betroffenen zu ermessen, empfehle ich eine kleine Recherche: Welche Nationen haben um die 50 Millionen Einwohner? Wie viele der kleinsten Nationen der Erde müsste man zusammenfassen, um auf diese Zahl von Personen zu kommen? Es könnte helfen, um auch nur ansatzweise eine Vorstellung vom Ausmaß des Problems zu bekommen. Mir wird dabei auch heute noch schwindelig. Darum ist es mir wichtig, diese Zahl auf eine doppelte Weise einzuordnen. 50 Millionen ist die höchste und niedrigste Zahl von Menschen in Sklaverei – jemals. Denn es waren noch nie so viele wie heute. Aber es waren noch nie so wenige im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung der Erde. Es sind so viele, weil wir heute so viele sind, aber das Phänomen nimmt tatsächlich ab. Das heißt: Es gibt noch sehr viel zu tun, aber es gibt Wege effektiv zu helfen.
Genau da kommt IJM ins Spiel. Ich kann mit meinen eigenen Händen wenig tun, um Menschen aus Sklaverei zu befreien. An meinem Konsumverhalten kann ich gezielt etwas ändern, ja. Das hilft langfristig. Um Menschen jetzt Hilfe in der Not zu leisten, brauche ich einen Partner, bzw. kann zum Partner für Menschen in einer Organisation werden, die fähig sind einen Unterschied zu machen. IJM besteht aus vielen Unterstützern, die die nötigen Gelder geben und als Multiplikatoren arbeiten, aber auch aus hochspezialisierten Akteuren, die an den entscheidenden Stellen das tun, was Menschen befreit und präventiv Rechtssysteme stärkt.
Die Arbeit von IJM fußt auf drei Säulen:
1. Menschen befreien: Ermittler von IJM befreien mithilfe der Polizei Betroffene konkret aus Sklaverei. In der Nachsorge verhelfen lokale Partner zu einem selbstbestimmten Leben.
2. Täter/-innen überführen: IJM unterstützt die Justiz der betroffenen Länder in der Strafverfolgung, was nachweislich Straftaten gegen Menschen in Armut zurückgehen lässt.
3. Rechtssysteme stärken: IJM hilft geltendes Recht zunehmen durchzusetzen, indem Polizei und Justiz geschult werden und Menschen in Armut Zugang zu geltendem Recht bekommen.
Mehr auf: ijm-deutschland.de
Gerne komme ich als Botschafter auch zu einem sogenannten Sonntag für Freiheit mit einem Themen- Gottesdienst zu euch in die LKGs.
