Erwachsen werden im Glauben - aber nie ausgewachsen

Ausgabe Nr. 5, Oktober / November 2005 - Renate Dämmrich, LKG Bad Windsheim

1. Erwachsener Glaube ist persönlicher Glaube
Für mich stellte sich diese Frage ganz existentiell: Glaube ich an Jesus, weil ich so erzogen bin oder ist es mein eigener Glaube? In einer Predigersfamilie aufgewachsen, gab es gar kein anderes
Leben als das christlich geprägte. Wie man als Christ denkt und lebt, war klar vorgegeben.
In den späten Teenagerjahren beschäftigte mich oft die Frage: Ist es mein eigener Glaube an Jesus oder habe ich das alles nur so übernommen, weil sich das in unserer Familie und Gemeinschaft so gehört? Bin ich tatsächlich von Gott angenommen? Bin ich sein Kind? Habe ich ewiges Leben?
Ich wollte das ja immer, aber will Gott das auch? Nach längerem intensivem Bibelstudium fiel dann der Groschen:
Ja, es ist so, weil Gottes Wort es sagt: „Wer den Sohn hat, der hat das Leben“ (Joh. 3, 36).
Eine unbeschreiblich tiefe Freude erfüllte mich. Das war der erste Schritt ins erwachsene
Glaubensleben.

2. Erwachsener Glaube ist abhängiger Glaube
Äußerlich änderte sich nichts und doch war alles anders. Nach und nach veränderte sich die Sicht meiner selbst. Dachteich mit 16 noch, dass an mir doch alles in Ordnung war (schließlich war ich ein „braves“ Mädchen), musste ich bald erkennen, dass der innere Kern durch und durch verdorben war. Da kann ich mich bis heute nur daran festhalten, dass „nichts Verdammliches mehr an denen ist, die in Christus Jesus sind“ (Röm 8, 1). Jesus ist für alle meine Sünde gestorben, am Kreuz wurde meine alte Natur mit ihm gekreuzigt. Jesus hat mich erlöst. Ich darf in Jesus sein. Deshalb zählt jetzt vor Gott nur noch Jesus. Erwachsen werden im Glauben heißt daher für mich, sich immer mehr nur an Jesus und seinem Wort festhalten, immer abhängiger von Ihm werden, nicht nur in geistlichen Dingen, sondern auch in den Fragen des täglichen Lebens.

3. Erwachsener Glaube ist tätiger Glaube
Glaube wird sichtbar. Glaube äußert sich durch aktive Mitarbeit in der Gemeinde. Im Glaubensleben habe ich nur das wirklich, was ich auch weitergebe. Ich stelle immer wieder fest, dass ich selbst am meisten davon habe und in meinem Glauben gefestigt werde, wenn ich meinen Schulkindern Gottes Wort weitergebe oder wenn ich Gottes Wort studiere, um eine Bibelstunde zu halten. Das ernährt und erhält meinen Glauben. Aufgaben und Verantwortung in der Gemeinde zu übernehmen, fördert die Abhängigkeit von Jesus. Je abhängiger ich von Jesus bin, desto unabhängiger kann ich von anderen sein. Auf der anderen Seite brauche ich mehr und mehr meine Glaubensgeschwister für Austausch und Korrektur. Erwachsen im Glauben? Vielleicht. Aber nie ausgewachsen. Schön, dass es mit und bei Jesus immer etwas Neues zu lernen und zu entdecken gibt. In Seiner Pflege möchte ich weiter wachsen und reifen.