Wir leben in Deutschland ein Leben, von dem andere nur träumen

Ausgabe August / September 2016 -  Gespräch mit Manfred Stielper

Dieses Gespräch führte Christian Hertel mit Manfred Stielper. Manfred Stielper arbeitet für die bayerische Kriminalpolizei, ist Mitglied der Christlichen Polizeivereinigung e.V. und wohnt in Roth.

Blickpunkt: Manfred, wir gehen der Frage nach, ob wir für den Frieden in unserer Gesellschaft dankbar sein können. Du arbeitest bei der Kriminalpolizei: Du hast also mit einer Seite des gesellschaftlichen Lebens zu tun, die der Normalbürger nur zu einem kleinen Teil aus dem Fern- sehen kennt. Wie siehst Du den inneren Frieden und die Sicherheit in unserem Land?

Manfred Stielper (M.S.): Ich würde die Begriffe „Innerer Friede“ und „Innere Sicherheit“ unterschiedlich bewerten. Der Innere Friede oder die Volkszufriedenheit ist meiner Meinung nach nur zum Teil von der Inneren Sicherheit abhängig. Ich glaube, dass fehlende oder falsche Informationen zu gewissen Themen, diffuse Ängste vor nicht abschätzbaren Änderungen von Lebensumständen und auch einzelne Ereignisse, die in den Medien hochgespielt werden, ebenfalls einen Einfluss auf den Volksfrieden haben. Meiner Einschätzung nach ist in letzter Zeit die Volkszufriedenheit stark gesunken; die Menschen haben (oft unbegründet) Angst vor einer ungewissen Zukunft und fürchten um ihren Wohl- stand. Dies hat sich wohl auch in den letzten Wahlergebnissen niedergeschlagen, wo extremistische Parteien stark zugelegt haben.

Die Innere Sicherheit in unserem Land schätze ich nach wie vor als sehr gut ein. Wir haben gut funktionierende Sicherheitsbehörden und eine Gesetzgebung, die für die Sicherheitslage in Deutschland absolut ausreicht. Natürlich wird das subjektive Sicherheitsgefühl einzelner Bürger durch Ereignisse wie in Köln (Silvesternacht) oder durch zunehmende Einbruchdiebstähle beeinträchtigt; objektiv betrachtet leben wir in einem der sichersten Länder der Welt, was auch durch die Kriminalstatistiken der letzten Jahre belegt ist.

Blickpunkt: Nun wird ja viel diskutiert, ob die innere Sicherheit und der innere Friede im Land durch die große Zahl an Flüchtlingen auf dem Spiel stehen. Wie erlebst Du das?

M.S: Ich habe in meinem Be- reich bei der Kriminalpolizei wenig Berührungspunkte mit Flüchtlingen. Ich persönlich sehe es jedoch schon problematisch für unsere Sicherheit, wenn tausende von Flüchtlingen unregistriert nach Deutschland einreisen können. Diese Menschen haben keinen legalen Aufenthaltsstatus, keine soziale Abfederung; hier sind mit Sicherheit Straftaten durch und an diesen Menschen vorprogrammiert.

Blickpunkt: In den Nachrichten wird immer wieder heraus- gestellt, dass Flüchtlinge im Verhältnis eher weniger zum Anstieg der Kriminalität beitragen als Deutsche. Bist Du in Deiner Arbeit mit kriminellen Flüchtlingen befasst? Wie sind Deine Erfahrungen?

M.S: Wie gesagt, habe ich in meinem Bereich wenig mit Flüchtlingen zu tun und kann deshalb nicht von eigenen Erfahrungen berichten. Ich glaube, dass man hier wirklich vorsichtig mit einer schnellen Einschätzung sein muss. Es werden oft Flüchtlinge, legal bei uns lebende Ausländer und vorüber- gehend sich bei uns aufhalten- de Ausländer in einen Topf geworfen; durch Ausländer begangene Straftaten werden dann pauschal den Flüchtlingen in die Schuhe geschoben.

Blickpunkt: Nach meinem Eindruck steigt die Sorge der Menschen um den inneren Frieden im Land. Bist Du auch besorgt darum? Oder überwiegt bei Dir vielleicht sogar die Dankbarkeit? Wenn man die Umständen sieht, aus denen die Flüchtlinge zu uns kommen könnte man ja auch über unseren Rechtsstaat dankbar werden, oder?

M.S.: Bei mir überwiegt ganz klar die Dankbarkeit. Wir führen in Deutschland ein Leben, von dem die meisten Menschen auf der Welt nur träumen können. Wir leben in einem Rechtsstaat, der uns ein Leben in Freiheit und Frieden garantiert. Unser Grundgesetz, auf dem unsere gesamte Gesetzgebung aufgebaut ist, regelt unser Zusammenleben perfekt. Unsere sozialen Sicherungssysteme funktionieren und wir leben nun schon seit 70 Jahren in Frieden mit unseren Nachbarländern. Ist dies nicht Grund genug, einmal Danke zu sagen? Natürlich gibt es auch Schattenseiten und mit Sicherheit in einigen Bereichen auch Missstände. Wenn wir aber ehrlich sind, dann gibt es für viele Problembereiche, z.B. bei der Flüchtlingsproblematik, keine einfache oder schnelle Lösung. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, dass ich in Deutschland leben kann und ich bin auch dankbar für unsere Politiker, die durch ihre Arbeit in den letzten Jahrzehnten das Deutschland, in dem wir heute leben, geformt haben. Ich denke, sie haben eine gute Arbeit geleistet.

Blickpunkt: Was ist Deine Empfehlung? Wofür sollten wir Gott danken? Und wofür könnten wir beten, wenn wir an unseren Staat und unsere Polizei denken?


M.S.: Ich denke, dass wir uns keine Sorgen um die innere Sicherheit in unserem Land machen brauchen. Ich wiederhole mich hier nochmal: Wir leben in einem der sichersten Länder der Welt; das wird sich auch durch die Flüchtlinge nicht ändern. Ich glaube, wir haben viel Grund, dankbar zu sein. Wir können Gott für den Frieden in unserem Land, für unseren Lebensstandard, für die gute Gesetzgebung, für eine funktionierende Verwaltung danken und wir können um Weisheit und Besonnenheit für die Verantwortlichen in unserem Staat beten.

Blickpunkt: Vielen Dank für das Gespräch!